Verordnung des Bundesministers für wirtschaftliche Angelegenheiten vom 19. Juni 1990, mit der Ausbildungsvorschriften für den Lehrberuf Einzelhandelskaufmann erlassen werden
Präambel/Promulgationsklausel
Auf Grund des § 8 des Berufsausbildungsgesetzes, BGBl. Nr. 142/1969, in der Fassung der Berufsausbildungsgesetz-Novelle 1978, BGBl. Nr. 232, und des Bundesgesetzes BGBl. Nr. 381/1986 werden für den Lehrberuf Einzelhandelskaufmann folgende Ausbildungsvorschriften - bezüglich der Verhältniszahlen im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Arbeit und Soziales - verordnet:
Berufsbild
§ 1. Für den Lehrberuf Einzelhandelskaufmann wird folgendes Berufsbild festgelegt. Hiebei sind die angeführten, nach Abschnitten und Absätzen geordneten und gereihten Fertigkeiten und Kenntnisse spätestens in dem jeweils angeführten Lehrjahr beginnend derart zu vermitteln, daß sie nach einer Einführung erweitert, vertieft und schließlich in der betrieblichen Praxis fachgerecht angewendet werden.
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Der Lehrbetrieb
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```
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Pos. 1.Lehrjahr 2.Lehrjahr 3.Lehrjahr
```
```
1.1 Marktstellung des Lehrbetriebes
```
```
1.1.1 Einführung in die - -
Aufgaben, die Branchen-
stellung und das
Warensortiment
```
```
1.1.2 - Kenntnis der Marktposition, der Standort-
einflüsse, des Kundenkreises mit seinen
Einkaufsgewohnheiten sowie des Kundenver-
haltens
```
```
1.2 Einrichtungen, Arbeitssicherheit und Unfallverhütung
```
```
1.2.1 Kenntnis und funktionsgerechte Anwendung der betrieblichen
Einrichtungen und der technischen Betriebsmittel und
Hilfsmittel
```
```
1.2.2 Kenntnis der Unfallgefahren sowie der einschlägigen
Sicherheitsvorschriften und der sonstigen in Betracht kommenden
Vorschriften zum Schutz des Lebens und der Gesundheit
```
```
1.2.3 Grundkenntnisse der aushangpflichtigen arbeitsrechtlichen
Vorschriften
```
```
1.3 Ausbildung im dualen System
```
```
1.3.1 Kenntnis der sich aus dem Lehrvertrag ergebenden
Verpflichtungen (§§ 9 und 10 des Berufsausbildungsgesetzes)
```
```
1.3.2 Kenntnis über Inhalt und Ziel der Ausbildung sowie über
wesentliche einschlägige Weiterbildungsmöglichkeiten
```
```
1.4 Organisation und Warenwirtschaft
```
```
1.4.1 Kenntnis des or- Kenntnis über die be- Kenntnis der Be-
ganisatorischen trieblichen Arbeits- triebs- und Rechts-
Aufbaus sowie der abläufe und die betrieb- form des Lehrbe-
Aufgaben und Zu- liche Warenbewegung triebs
ständigkeiten der
einzelnen Betriebs-
bereiche
```
```
1.4.2 - - Grundkenntnisse einer
rechnergestützten Er-
fassung, Steuerung
und Kontrolle der be-
trieblichen Warenbe-
wegung
```
```
1.5 Verwaltung
```
```
1.5.1 Einschlägige Schriftverkehrsarbeiten, Arbeiten mit Formularen
Arbeiten bei Posteingang, Postaus- und Vordrucken
gang, Ablage und Evidenz
```
```
1.5.2 - Kenntnis über das Anlegen und Führen von
Statistiken, Karteien oder Dateien
```
```
1.5.3 - - Grundkenntnisse über
betriebliche Risken
und deren Versiche-
rungsmöglichkeiten
sowie über Schaden-
meldungen
```
```
1.5.4 Grundkenntnisse über - -
den Verkehr mit den
für den Lehrbetrieb
und den Lehrling
wichtigen Behörden,
Sozialversicherungs-
trägern und Organi-
sationen der Arbeit-
geber und Arbeit-
nehmer
```
```
```
Warenbeschaffung und Lagerung
```
```
```
2.1 Warenbeschaffung
```
```
2.1.1 - Grundkenntnisse der Kenntnis der bran-
branchen- und betriebs- chen- und betriebs-
spezifischen Einkaufs- spezifischen Ein-
möglichkeiten und Be- kaufsmöglichkeiten
zugsquellen und über und Bezugsquellen
die Ermittlung des und der organisatori-
Bedarfs schen Durchführung
des Einkaufs
```
```
2.1.2 - - Mitwirken bei der Er-
mittlung des Bedarfs
```
```
2.1.3 - Vorbereiten von Waren- Bestellen der Waren
bestellungen, Mitwirken
bei Warenbestellungen
```
```
2.1.4 - Überwachen der Liefer- Maßnahmen bei Liefer-
termine verzug
```
```
2.1.5 - - Einholen, Bearbeiten
und Prüfen von Ange-
boten
```
```
2.1.6 - Grundkenntnisse über wichtige Vereinbarungen im
Zusammenhang mit dem Einkauf wie Einkaufs-
konditionen, Liefer- und Zahlungsbedingungen
```
```
2.2 Warenannahme und Warenübernahme
```
```
2.2.1 - Kenntnis der betriebsüb- -
lichen Warenannahme und
Warenübernahme
```
```
2.2.2 - Warenannahme, Vergleichen der gelieferten Waren
mit Lieferpapieren, Arbeiten bei der Behandlung
der Wareineingangsbelege (Anm.: richtig:
Wareneingangsbelege)
```
```
2.2.3 - Feststellen von Mängeln Ergreifen von Maß-
und Schäden bei Waren nahmen bei Mängeln und
und Verpackung Schäden bei Waren und
Verpackung
```
```
2.3 Warenlagerung
```
```
2.3.1 Kenntnis der branchen-, betriebs- und produktspezifischen
Lagerungsvorschriften
```
```
2.3.2 Fachgerechtes Lagern und Pflegen der Waren unter Bedachtnahme
auf Ordnung, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit, Überprüfen der
Warenverbrauchsfristen und Ablauftermine
```
```
2.3.3 - Kenntnis der Lagerorganisation, Kenntnis und
Anwendung der technischen und rechnergestützten
Lagerhilfsmittel
```
```
2.3.4 - Verwalten und Kontrollieren des Lagers, Fest-
stellen des Lagerbedarfs, Überwachen des
Lagerbestandes
```
```
```
Verkauf
```
```
```
3.1 Warensortiment
```
```
3.1.1 Kenntnis des betrieblichen Warensortiments hinsichtlich der
fachlichen Zusammensetzung, Breite, Tiefe und der Herkunft,
Eigenschaften, Beschaffenheit, Form, Ausführung, Sorten, Größen
sowie Verwendungsmöglichkeiten der jeweiligen Waren
```
```
3.1.2 Kenntnis der handels- und branchenüblichen Warenbezeichnungen
und Fachausdrücke, der handels- und branchenüblichen Maße,
Mengen- und Verpackungseinheiten
```
```
3.1.3 - Kenntnis der das betriebliche Warensortiment
bestimmenden Faktoren, die sich aus Standort,
Kundenkreis, Wettbewerbssituation, Preisge-
staltung, Einkaufs- und Verkaufsmöglichkeiten
ergeben
```
```
3.1.4 Kenntnis der branchenspezifischen Warenkennzeichnung, Normen
und Produktdeklaration
```
```
3.2 Verkaufsvorbereitung
```
```
3.2.1 Vorbereiten der Waren und Verpackungsmaterialien zum Verkauf
```
```
3.2.2 Kenntnis der Preisauszeichnungsvorschriften, Durchführen der
Preisauszeichnung
```
```
3.3 Warenpräsentation und Verkaufsförderung
```
```
3.3.1 Gestaltung und verkaufsgerechtes Darbieten des Warenangebotes
unter Berücksichtigung der Stellung des Betriebes, einfache
Dekorationsarbeiten
```
```
3.3.2 Kenntnis der branchen- und betriebsüblichen Mittel und
Möglichkeiten der Werbung und deren Anwendung
```
```
3.3.3 - Mitwirkung bei der Planung, Organisation und
Durchführung von Werbe- und verkaufsfördernden
Maßnahmen
```
```
3.3.4 Anbieten und Durchführen von betrieblichen Serviceleistungen
beim Verkauf
```
```
3.4 Warenverkauf und Kundenberatung
```
```
3.4.1 - Kenntnis der organisatorischen Abwicklung des
Verkaufs
```
```
3.4.2 Kenntnis des fachgerechten Verhaltens gegenüber Kunden
```
```
3.4.3 Führen von Verkaufsgesprächen: Bedarf und Wünsche der Kunden
ermitteln, Verkaufsargumente ableiten, Fragen und Einwände der
Kunden berücksichtigen
```
```
3.4.4 Bedarfs- und wunschgemäße Warenvorlage auf Grund der Waren- und
Verkaufskenntnisse, Information der Kunden über Waren-
eigenschaften, Verwendungsmöglichkeiten, Warenpflege, Waren-
qualität, Qualitäts- und Preisunterschiede
```
```
3.4.5 Anbieten von Ergänzungs- und Ersatzartikeln, fachgerechtes
Verpacken und Ausfolgen der Waren
```
```
3.4.6 - - Kenntnis über Möglich-
keiten der Warenzu-
stellung
```
```
3.4.7 Kenntnis der verkaufsbezogenen rechtlichen Bestimmungen
```
```
3.4.8 - Kenntnis der betriebsüblichen Behandlung von
Reklamationen und des betriebsüblichen Waren-
umtausches, Verhalten bei Reklamationen
```
```
3.4.9 - Kenntnis der betriebsüblichen Maßnahmen gegen
Ladendiebstahl und des Verhaltens bei
Ladendiebstahl
```
```
3.5 Verkaufsabrechnung
```
```
3.5.1 - Ermitteln des Verkaufspreises, Ausfertigen von
Kassazetteln und Rechnungen, Ausrechnen der
Umsatzsteuer
```
```
3.5.2 - - Kenntnis der im Be-
trieb angewandten
Kassensysteme, Be-
dienen der Kasse
```
```
3.5.3 - - Abwickeln von Barzah-
lung, unbarer Zahlung
und von Zahlung in
Fremdwährung
```
```
```
Betriebliches Rechnungswesen
```
```
```
4.1 Kostenrechnung und Kalkulation
```
```
4.1.1 - Grundkenntnisse über die betrieblichen Kosten,
deren Beeinflußbarkeit und deren Auswirkung auf
die Rentabilität
```
```
4.1.2 - - Kalkulieren des Ver-
kaufspreises
```
```
4.2 Steuern und Abgaben
```
```
4.2.1 - - Grundkenntnisse der
einzelhandelsein-
schlägigen Steuern
und Abgaben
```
```
4.3 Rechnungswesen
```
```
4.3.1 - Grundkenntnisse über Bedeutung und Aufgabe der
Inventur, Mitarbeit bei der Inventur
```
```
4.3.2 - Grundkenntnisse über Grundkenntnisse über
Aufgaben und Funk- rechnergestützte Ab-
tion des betrieblichen läufe im betriebli-
Rechnungswesens chen Rechnungswesen
```
```
4.4 Zahlungsverkehr
```
```
4.4.1 - - Kenntnis des Zahlungs-
verkehrs mit Lieferan-
ten, Kunden, Behörden,
Post, Geld- und Kredit-
instituten
```
```
4.4.2 - - Mitwirken beim Zah-
lungsverkehr
```
```
4.4.3 - - Kenntnis des betriebs-
üblichen Verfahrens bei
Zahlungsverzug, Durch-
führen einfacher ein-
schlägiger Arbeiten
```
```
4.5 Buchführung
```
```
4.5.1 - Grundkenntnisse über die betriebliche
Buchführung und die betrieblichen Buchungs-
unterlagen
```
```
§ 2. In Fällen der gleichzeitigen Ausbildung eines Lehrlings in zwei Lehrberufen sind dem Lehrling die Fertigkeiten und Kenntnisse beider Lehrberufe in der in den beiden Berufsbildern festgelegten zeitlichen Reihenfolge unter Bedachtnahme auf die sich gemäß § 6 Abs. 2 des Berufsausbildungsgesetzes ergebende Lehrzeitdauer zu vermitteln.
Verhältniszahlen
§ 3. (1) Für die Ausbildung im Lehrberuf Einzelhandelskaufmann werden folgende Verhältniszahlen gemäß § 8 Abs. 3 lit. a des Berufsausbildungsgesetzes (fachlich einschlägig ausgebildete Personen - Lehrlinge) festgelegt:
1 fachlich einschlägig ausgebildete Person................1 Lehrling
2 bis 3 fachlich einschlägig ausgebildete Personen........2 Lehrlinge
4 fachlich einschlägig ausgebildete Personen..............3 Lehrlinge
5 bis 6 fachlich einschlägig ausgebildete Personen........4 Lehrlinge
7 bis 8 fachlich einschlägig ausgebildete Personen........5 Lehrlinge
9bis 11 fachlich einschlägig ausgebildete Personen........6 Lehrlinge
ab 12 fachlich einschlägig ausgebildete Personen
für je 3 Personen................................1 weiterer Lehrling
(2) Fachlich einschlägig ausgebildete Personen sind:
der Lehrberechtigte,
der gewerberechtliche Geschäftsführer,
einschlägige Ausbilder,
Personen, die eine Lehrabschlußprüfung in einem kaufmännischen Lehrberuf abgelegt haben,
Personen, die zumindest vier Jahr kaufmännische Tätigkeiten oder höhere nichtkaufmännische Tätigkeiten im Sinne des Angestelltengesetzes verrichtet haben.
(3) Auf die Verhältniszahlen sind Lehrlinge in den letzten vier Monaten ihrer Lehrzeit und Lehrlinge, denen unter Anwendung des § 28 oder/und § 29 des Berufsausbildungsgesetzes mindestens zwei Lehrjahre ersetzt wurden, nicht anzurechnen.
(4) Auf die Verhältniszahlen sind fachlich einschlägig ausgebildete Personen, die nur vorübergehend oder aushilfsweise im Betrieb beschäftigt sind, nicht anzurechnen.
(5) Werden in einem Betrieb in mehr als einem Lehrberuf Lehrlinge ausgebildet, dann sind Personen, die für mehr als einen dieser Lehrberufe fachlich einschlägig ausgebildet sind, nur auf die Verhältniszahl eines dieser Lehrberufe anzurechnen. Wenn aber in einem Betrieb nur eine einzige, jedoch für alle in Betracht kommenden Lehrberufe fachlich einschlägig ausgebildete Person beschäftigt ist, dürfen - unter Beachtung der für die einzelnen in Betracht kommenden Lehrberufe jeweils festgelegten Verhältniszahlen - insgesamt höchstens zwei Lehrlinge ausgebildet werden.
(6) Ein Ausbilder ist bei der Ermittlung der Verhältniszahl gemäß Abs. 1 als eine fachlich einschlägig ausgebildete Personen zu zählen. Wenn er jedoch mit Ausbildungsaufgaben in mehr als einem Lehrberuf betraut ist, ist er als eine fachlich einschlägig ausgebildete Person bei den Verhältniszahlen aller Lehrberufe zu zählen, in denen er Lehrlinge ausbildet.
§ 4. (1) Für die Ausbildung im Lehrberuf Einzelhandelskaufmann werden folgende Verhältniszahlen gemäß § 8 Abs. 3 lit. b des Berufsausbildungsgesetzes (Ausbilder Lehrlinge) festgelegt:
Auf je 5 Lehrlinge zumindest 1 Ausbilder, der nicht ausschließlich mit Ausbildungsaufgaben betraut ist;
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