Verordnung des Bundesministers für wirtschaftliche Angelegenheiten über die Berufsausbildung im Lehrberuf Hörgeräteakustiker (Hörgeräteakustiker-Ausbildungsverordnung)
Präambel/Promulgationsklausel
Auf Grund der §§ 7, 8 und 24 des Berufsausbildungsgesetzes, BGBl. Nr. 142/1969, zuletzt geändert durch das Kompetenzbereinigungsgesetz 1992, BGBl. Nr. 256/1993, wird - hinsichtlich der Verhältniszahlen im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Arbeit und Soziales - verordnet:
Einrichtung des Lehrberufes Hörgeräteakustiker
§ 1. (1) Es wird der Lehrberuf „Hörgeräteakustiker'' mit einer Lehrzeit von drei Jahren eingerichtet.
(2) In der Anlage (Lehrberufsliste) der Verordnung des Bundesministers für wirtschaftliche Angelegenheiten, mit der die Lehrberufsliste erlassen wird, BGBl. Nr. 268/1975, zuletzt geändert durch die Verordnung BGBl. Nr. 414/1995, werden daher nach den Bestimmungen betreffend den Lehrberuf „Herrenkleidermacher'' folgende Bestimmungen eingefügt:
```
```
Anrechnung
Lehrberuf Lehrzeit Verwandter der Lehrzeit
in Jahren Lehrberuf auf den
verwandten
Lehrberuf
Lehrjahr Ausmaß
```
```
Hörgeräte-
akustiker 3 Optiker 1. voll
Lehrzeitanrechnungen auf verwandte Lehrberufe
§ 2. In der Lehrberufsliste werden die Bestimmungen betreffend den Lehrberuf „Optiker'' wie folgt ergänzt:
```
```
Anrechnung der Lehrzeit
Verwandter Lehrberuf auf den verwandten Lehrberuf
Lehrjahr Ausmaß
```
```
Hörgeräteakustiker 1. voll
Berufsprofil
§ 3. Durch die Berufsausbildung im Lehrbetrieb und in der Berufsschule soll der ausgebildete Lehrling befähigt werden, die nachfolgenden Tätigkeiten fachgerecht, selbständig und eigenverantwortlich auszuführen:
Betreuen von Hörbehinderten unter Berücksichtigung ihrer psychischen Situation,
Feststellung von Hörbeeinträchtigungen,
Messen und Beurteilen akustischer Größen sowie akustische Kenndaten von Hörgeräten,
Messen elektrischer Größen und Prüfen von Hörgeräteverstärkern,
Ermitteln akustischer Kenndaten des Gehörs durch audiometrische Messungen,
Abnehmen von Ohrabdrücken,
Anfertigen und Bearbeiten von Rohlingen und Otoplastiken,
Warten, Instandsetzen, Auswählen und Anpassen von Hörhilfen und Zubehör,
Anleiten der Hörbehinderten bei der Benutzung von Hörhilfen und Zubehör,
Messen und Beurteilen von Lärm, Beraten in vorbeugendem Gehörschutz sowie Auswählen und Anpassen von Gehörschutzmitteln.
Berufsbild
§ 4. Für den Lehrberuf Hörgeräteakustiker wird folgendes Berufsbild festgelegt. Hiebei sind die angeführten Fertigkeiten und Kenntnisse spätestens in dem jeweils angeführten Lehrjahr beginnend derart zu vermitteln, daß der Lehrling zur Ausübung qualifizierter beruflicher Tätigkeiten im Sinne des § 3 befähigt wird, die insbesondere das Planen, Durchführen, Kontrollieren und Optimieren einschließt.
```
```
Pos. 1. Lehrjahr 2. Lehrjahr 3. Lehrjahr
```
```
```
Handhaben, Bedienen und Instandhalten der zu verwendenden
```
Werkzeuge, Arbeitsbehelfe, Maschinen, Geräte und Einrichtungen
```
```
```
Kenntnis der Werk- und Hilfsstoffe, ihrer Eigenschaften,
```
Verwendungs- und Bearbeitungsmöglichkeiten
```
```
```
Kenntnis über den anatomischen Aufbau des Außen-, Mittel- und
```
Innenohres sowie über die physiologischen Vorgänge im Ohr
```
```
```
Kenntnis über pathologische Befunde des Feststellen von
```
Außen-, Mittel- und Innenohres und über Hörbeeinträchtigungen,
Hörbeeinträchtigungen wie insbesondere
Schalleitungs-,
Innenohr- und
Nervenschwerhörigkeit,
zentrale Störungen oder
kombinierte
Schwerhörigkeiten
```
```
```
Kenntnis über die Verhaltensweisen von Klärung von
```
Hörbehinderten sowie über den Einfluß Hörproblemen unter
von Hörbehinderungen auf die Berücksichtigung der
Persönlichkeit und das Verhalten von psychischen Situation
Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und des persönlichen
Umfeldes und Erstellung
von Abhilfemaßnahmen
sowie Beratung
betreffend die
Möglichkeit des Hörens
mit der Hörhilfe
```
```
```
-
- Durchführung der
```
Nachbetreuung
```
```
```
Grundkenntnis Kenntnis akustischer Größen
```
akustischer Größen
```
```
```
Kenntnis der Ermitteln der Kenndaten des Gehörs mit
```
akustischen Hilfe von Sprachtests, Sprachaudiogrammen,
Kenndaten des Adaptogrammen, usw.
Gehörs und deren
Ermittlung durch
audiometrische
Messungen
```
```
```
- Durchführen von audiometrischen Messungen
```
(überschwellig oder mit sprachfreien
Signalen)
```
```
```
Grundkenntnisse über Kenntnis über das Anfertigen von
```
Abnahmeverfahren und Anfertigen von drucklosen
-materialien bei drucklosen Funktionsabdrücken des
Ohrabdrücken Funktionsab- äußeren Ohres bei
drücken des perforiertem oder
äußeren Ohres bei fehlendem Trommelfell
perforiertem oder oder bei operiertem
fehlendem Mittelohr
Trommelfell oder
bei operiertem
Mittelohr
```
```
```
Grundkenntnisse der Kenntnis der Anfertigen und
```
verschiedenen verschiedenen Zusammenstellen von
Otoplastiken und Otoplastiken, verschiedenen
deren Sonderformen; wie insbesondere Otoplastiken und deren
wie insbesondere Gehörschutzoto- Sonderformen
Gehörgangsoto- plastiken, Stütz-
plastiken, Stütz- und
und Auflageplastiken,
Auflageplastiken, Durchführung von
Durchführung von Klebearbeiten an
Klebearbeiten an Otoplastiken
Otoplastiken
```
```
```
- Bohren, Fräsen, Schleifen und Polieren von
```
Otoplastiken
```
```
```
- Anfertigen von In-dem-Ohr(IdO)Geräte
```
Otoplastik- in Otoplastiken
Rohlingen einbauen
```
```
```
Kenntnis der Wirkungsweise von Hinter-dem-Ohr-Geräten
```
(HdO-Geräte), In-dem-Ohr-Geräten (IdO-Geräte) und Taschengeräten
und Zubehör, wie etwa Schallwandler und Hörgeräteverstärker
```
```
```
Messen elektrischer Größen -
```
```
```
```
- Kenntnis über Zusammenbau und Prüfung
```
Bauelemente und eines
Schaltung eines Hörgeräteverstärkers
Hörgerätever-
stärkers
```
```
```
Grundkenntnis der Kenntnis der Messen der akustischen
```
akustischen akustischen Kenndaten von
Kenndaten von Kenndaten von Hörgeräten
Hörgeräten Hörgeräten
```
```
```
Einfache Wartungs- Fehlersuche und Fehlerbehebung an
```
und Instand- Hörhilfen und Zubehör, Prüfung und
setzungsarbeiten an Erneuerung von elektrischen Kontakten,
Hörhilfen und Lautstärkenstellern, Schaltern,
Zubehör Schallwandlern sowie von Gehäusen von
Hörhilfen und Zubehör
```
```
```
Montieren von Hörbügeln an ein Brillenmittelteil
```
```
```
```
- Auswahl und Anpassung von Hörhilfen und
```
Zubehör auf Grund von Sprachtests und
durchgeführten audiometrischen Messungen;
Erstellung von Anpaßberichten
```
```
```
-
- Ankopplung von
```
Mithörgeräten,
Kopfhörern sowie Radio-
und Fernsehgeräten an
das Hörgerät mittels
Audioanschluß
```
```
```
Anleitung von Hörbehinderten bei der Benutzung der Hörhilfen und
```
des Zubehörs, Kundenberatung
```
```
```
Kenntnis der wesentlichen Beratung über
```
Lärmschutzvorschriften und Möglichkeiten des
wesentlichen Rechtsvorschriften für persönlichen Gehör-
Hörgeräteakustiker oder Schallschutzes
```
```
```
Kenntnis und Anwendung einschlägiger englischer Fachausdrücke
```
```
```
```
Kenntnis der sich aus dem Lehrvertrag ergebenden Verpflichtungen
```
(§§ 9 und 10 des Berufsausbildungsgesetzes)
```
```
```
Kenntnis der einschlägigen Sicherheitsvorschriften sowie der
```
sonstigen in Betracht kommenden Vorschriften zum Schutz des
Lebens und der Gesundheit
```
```
```
Grundkenntnisse der aushangpflichtigen arbeitsrechtlichen
```
Vorschriften
```
```
Ausbildung in Form der Doppellehre
§ 5. In Fällen der gleichzeitigen Ausbildung eines Lehrlings in zwei Lehrberufen sind dem Lehrling die Fertigkeiten und Kenntnisse beider Lehrberufe in der in den beiden Berufsbildern festgelegten zeitlichen Reihenfolge unter Bedachtnahme auf die sich gemäß § 6 Abs. 2 des Berufsausbildungsgesetzes ergebende Lehrzeitdauer zu vermitteln.
Gliederung der Lehrabschlußprüfung
§ 6. (1) Die Lehrabschlußprüfung im Lehrberuf Hörgeräteakustiker gliedert sich in eine praktische und in eine theoretische Prüfung.
(2) Die praktische Prüfung umfaßt die Gegenstände
Prüfarbeit,
Fachgespräch.
(3) Die theoretische Prüfung umfaßt die Gegenstände
Fachkunde,
Fachrechnen,
Fachzeichnen.
(4) Die theoretische Prüfung entfällt, wenn der Prüfungskandidat das Erreichen des Lehrzieles der letzten Klasse der fachlichen Berufsschule für den Lehrberuf Hörgeräteakustiker oder den Ersatz der gesamten Lehrzeit auf Grund schulmäßiger Ausbildung gemäß einer Verordnung auf Grund des § 28 des Berufsausbildungsgesetzes nachgewiesen hat.
Praktische Prüfung
Prüfarbeit
§ 7. (1) Die Prüfarbeit hat nach Angabe der Prüfungskommission Arbeitsproben aus fünf der nachstehend genannten Bereiche zu umfassen, wobei jedenfalls Fertigkeiten der Bereiche 1 bis 3 enthalten sein müssen. Die erforderlichen Arbeitsmittel sind durch den Prüfling zu bestimmen.
Otoskopieren und Abnehmen von drucklosen Funktionsabdrücken des äußeren Ohres sowie Bearbeiten der Otoplastik,
Anfertigen und Auswerten von Ton- und Sprachaudiogrammen,
Auswählen und Anpassen von Hörgeräten nach vorgegebenen Kenndaten des Gehörs sowie Einweisen in den Gebrauch der Hörhilfen,
Anfertigen eines Rohlings und Herstellen eines Ohrpaßstückes für Hörgeräte mit oder ohne Zusatzbohrung,
Montieren von Hörbügeln an ein Brillenmittelteil,
Messen akustischer Größen mit Schallpegelmesser,
Messen der akustischen Kenndaten von Hörgeräten mit der Meßbox,
Suchen und Beseitigen einfacher Fehler in Hörgeräten,
Messen elektrischer Größen von Hörgeräten mit Vielfachmeßgerät oder Osziloskop,
Aufbauen und Prüfen einer elektronischen Schaltung nach Schaltungsunterlagen.
(2) Die Prüfungskommission hat unter Bedachtnahme auf den Zweck der Lehrabschlußprüfung, die Anforderungen der Berufspraxis und das Tätigkeitsgebiet des Lehrbetriebes eine Prüfarbeit zu stellen, die in sieben Arbeitsstunden durchgeführt werden kann.
(3) Die Prüfarbeit ist nach acht Stunden zu beenden.
(4) Für die Bewertung der „Prüfarbeit'' sind folgende Kriterien maßgebend:
Genauigkeit und Sauberkeit,
Richtige Geräteauswahl,
Funktionsfähigkeit,
Richtiges Verwenden der Meßgeräte und Werkzeuge bei der Ausführung der Prüfarbeit.
Fachgespräch
§ 8. (1) Das Fachgespräch ist vor der gesamten Prüfungskommission abzulegen.
(2) Das Fachgespräch hat sich aus der praktischen Tätigkeit herauszuentwickeln. Hiebei ist unter Verwendung von Fachausdrücken das praktische Wissen des Prüflings festzustellen.
(3) Die Themenstellung hat dem Zweck der Lehrabschlußprüfung und den Anforderungen der Berufspraxis zu entsprechen. Hiebei sind Prüfstücke, Materialproben, Demonstrationsobjekte, Werkzeuge, Bauteile, Zeichnungen oder Schautafeln heranzuziehen. Fragen über einschlägige Sicherheitsvorschriften, Schutzmaßnahmen und Unfallverhütung sowie über einschlägige Umweltschutz- und Entsorgungsmaßnahmen sind miteinzubeziehen.
(4) Das Fachgespräch soll für jeden Prüfungskandidaten 15 Minuten dauern. Es ist nach 20 Minuten zu beenden. Eine Verlängerung um höchstens zehn Minuten hat im Einzelfall zu erfolgen, wenn der Prüfungskommission ansonsten eine zweifelsfreie Bewertung der Leistung des Prüflings nicht möglich ist.
Theoretische Prüfung
Dieses Dokument ersetzt nicht die offizielle Publikation im Bundesgesetzblatt. Für eventuelle Ungenauigkeiten bei der Übertragung in dieses Format wird keine Haftung übernommen.