Bekanntmachung des Bundesministers für Unterricht, Kunst und Sport vom 31. Juli 1989 betreffend den Lehrplan für den katholischen Religionsunterricht an Kollegs

Typ Kundmachung
Veröffentlichung 1989-09-04
Status Aufgehoben · 2016-10-28
Ministerium BKA (Bundeskanzleramt)
Quelle RIS
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Der in der Anlage wiedergegebene Lehrplan für den katholischen Religionsunterricht an Kollegs, welcher mit Beginn des Schuljahres 1989/90 aufsteigend in Kraft tritt, wurde von der Katholischen Kirche erlassen und wird hiemit gemäß § 2 Abs. 2 des Religionsunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 190/1949, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. Nr. 329/1988, bekanntgemacht.

Der in der Anlage wiedergegebene Lehrplan für den katholischen Religionsunterricht an Kollegs (ausgenommen Kollegs an Bildungsanstalten), welcher mit Beginn des Schuljahres 1989/90 aufsteigend in Kraft tritt, wurde von der Katholischen Kirche erlassen und wird hiemit gemäß § 2 Abs. 2 des Religionsunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 190/1949, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. Nr. 329/1988, bekanntgemacht.

Anlage

LEHRPLAN FÜR DEN KATHOLISCHEN RELIGIONSUNTERRICHT AN KOLLEGS

Bildungsziele

Entsprechend der Zielsetzung des Kollegs an höheren technischen und gewerblichen Lehranstalten, Handelsakademien und an höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe soll der Religionsunterricht vor allem die berufsspezifische Situation beachten. Er soll den Schüler befähigen, sich mit den Aufgaben und Problemen seines Berufs auch aus christlicher Sicht auseinanderzusetzen. Vor allem soll die Fähigkeit und Bereitschaft wachsen, Verantwortung in der Berufswelt und Gesellschaft zu übernehmen und diese als positive Aufgabe zu bejahen. Dazu soll neben der persönlichen Reife die Vermittlung eines christlichen Welt- und Menschenbildes beitragen.

Ergänzend zu den Bildungszielen der übrigen Unterrichtsgegenstände und aufbauend auf den Bildungszielen des bisherigen Religionsunterrichtes will der Religionsunterricht an Kollegs als einziges allgemeinbildendes und humanwissenschaftliches Fach die Schüler in ihrer Identitätsfindung orientierend begleiten. Im besonderen sind die Bildungsziele und Lehraufgaben sowie die Unterrichtsprinzipien und Erziehungsanliegen des geltenden Lehrplanes an den Berufsbildenden Höheren Schulen zu beachten.

Didaktische Grundsätze

Zur Erreichung des allgemeinen Bildungszieles ist es erforderlich, von der Vorbildung und konkreten Situation der Schüler auszugehen. Dabei sind vor allem die didaktischen Grundsätze der Erwachsenenbildung in Anwendung zu bringen. Eigenverantwortung und Selbsttätigkeit können gefördert werden durch: Referate, Erarbeiten aus Texten, Quellen und Dokumenten. Der Lehrer ist und soll dabei vor allem Helfer und Förderer sein. Bestimmte Themen können daher übergreifend behandelt werden. Die Forderung nach „Lernen durch Erfahrung“ kann erfüllt werden durch: Exkursionen, Lehrausgänge und Kontakte mit kompetenten Personen, die zu Vorträgen und Diskussionen eingeladen werden. Aus pädagogischen Gründen kann das in der Stundentafel vorgesehene Stundenausmaß ganz oder teilweise in Form eines Blockunterrichtes erfüllt werden, wobei eine Wochenstunde zwanzig Unterrichtsstunden pro Semester entspricht. Für die 3-semestrigen Kollegs ist der Lehrstoff des vorhandenen Lehrplanes entsprechend zu kürzen und auszuwählen.

Lehrstoff

1.

und 2. Semester – je eine Wochenstunde

Themenschwerpunkte:

A. Standortbestimmung und Persönlichkeitsbildung

B. Berufs- und Arbeitswelt

C. Auseinandersetzung mit dem Christlichen und den kirchlichen Entwicklungen

D. Gegenwärtige weltanschauliche Strömungen

mögliche Einzelthemen:

zu A. Der Schüler als Erwachsener in der Schule
Identitätsprobleme
Kriterien der Persönlichkeit
Zeichen der Reife und Unreife
Christliche Persönlichkeit
Individualität und Freiheit
Persönlichkeitsentwicklung und erfülltes Leben
Entwicklungsstufen des Menschen
Leitmotive der Berufswahl und ihr Zusammenhang mit der Persönlichkeitsentwicklung
zu B. Schöpfungsauftrag und Theologie der Arbeit
Arbeit und Beruf im Lichte der Katholischen Soziallehre
Umgang mit Autorität und Autoritäten (Zivilcourage, Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern)
Die Verantwortung für das Betriebsklima
Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit für Mann und Frau
Arbeitslosigkeit und Recht auf Arbeit
Beruf und Freizeit
zu C. Christliches Menschenbild und gesellschaftliche
Rollenerwartung
Christliche Lebensformen (Familie, Orden, . . .)
Sakramentenpraxis
Aufgaben und Ämter in der Kirche für Mann und Frau
Das Kirchenbild im Wandel der Zeit
Humanität und Diakonie
Kirche in der Dritten Welt
zu D. Verständnis für andere Kulturen und Religionen
Orientierung im weltanschaulichen Pluralismus (Esoterik, New Age)
Das Menschenbild im weltanschaulichen Pluralismus
Spannungen zwischen Volksfrömmigkeit und Industriekultur
Synkretismus
3.

und 4. Semester – je eine Wochenstunde Themenschwerpunkte:

E. Glaube als Antwort auf die Sinnfrage

F. Verantwortung als Christ in Gesellschaft und Kirche

G. Aktuelle ethische Fragen in Wissenschaft, Technik und Wirtschaft

H. Berufsethos

mögliche Einzelthemen:

zu E. Das Verhältnis von Glaube und Wissen
Der Mensch angesichts seiner Erfahrung mit Grenzen (Leid, Tod, Schuld, Sünde)
Akzeptieren der Endlichkeit (Kontingenz) und Hoffnung auf Transzendenz
Sehnsucht nach dem ganz Anderen
Streben nach Lebenssinn – Orientieren an Glaubensgemeinschaften
Glückliches Leben – Glauben
zu F. Christ und Politik
Kirche und politische Parteien
Grundanliegen der kath. Soziallehre
Der Zusammenhang von Armut und Bildung
Verantwortung für den Schwächeren – eine christliche Grundforderung
Soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte
Mitarbeit in der Kirche
zu G. Steuermoral
Umgang mit öffentlichen Mitteln – eine besondere Herausforderung an das christliche Gewissen
Verantwortlicher Umgang mit der Schöpfung
Genmanipulation (Leihmütter, ...)
Manipulation in Politik und Wirtschaft
Ethische Probleme im wirtschaftlichen Leben
Die Verantwortung für die Zukunft – ethische Grundsätze der Machbarkeit
zu H. Mitgestalten, Mitbestimmen, Mitverantwortung
Karrierestreben
Mißbrauch der Mittel des Arbeitgebers – ein Kavaliersdelikt?
Ethische Bewertung von Berufsbildern: Sind bestimmte Beschäftigungen weniger gut als andere (medizinische Geräte, Spielautomaten)?
Interessenkonflikt: Familie und Beruf
Sittliche Reife und verantwortungsbewußtes Handeln im Beruf

Anlage

LEHRPLAN FÜR DEN KATHOLISCHEN RELIGIONSUNTERRICHT AN KOLLEGS (ausgenommen Kollegs an Bildungsanstalten)

Bildungsziele

Entsprechend der Zielsetzung des Kollegs an höheren technischen und gewerblichen Lehranstalten, Handelsakademien und an höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe soll der Religionsunterricht vor allem die berufsspezifische Situation beachten. Er soll den Schüler befähigen, sich mit den Aufgaben und Problemen seines Berufs auch aus christlicher Sicht auseinanderzusetzen. Vor allem soll die Fähigkeit und Bereitschaft wachsen, Verantwortung in der Berufswelt und Gesellschaft zu übernehmen und diese als positive Aufgabe zu bejahen. Dazu soll neben der persönlichen Reife die Vermittlung eines christlichen Welt- und Menschenbildes beitragen.

Ergänzend zu den Bildungszielen der übrigen Unterrichtsgegenstände und aufbauend auf den Bildungszielen des bisherigen Religionsunterrichtes will der Religionsunterricht an Kollegs als einziges allgemeinbildendes und humanwissenschaftliches Fach die Schüler in ihrer Identitätsfindung orientierend begleiten. Im besonderen sind die Bildungsziele und Lehraufgaben sowie die Unterrichtsprinzipien und Erziehungsanliegen des geltenden Lehrplanes an den Berufsbildenden Höheren Schulen zu beachten.

Didaktische Grundsätze

Zur Erreichung des allgemeinen Bildungszieles ist es erforderlich, von der Vorbildung und konkreten Situation der Schüler auszugehen. Dabei sind vor allem die didaktischen Grundsätze der Erwachsenenbildung in Anwendung zu bringen. Eigenverantwortung und Selbsttätigkeit können gefördert werden durch: Referate, Erarbeiten aus Texten, Quellen und Dokumenten. Der Lehrer ist und soll dabei vor allem Helfer und Förderer sein. Bestimmte Themen können daher übergreifend behandelt werden. Die Forderung nach „Lernen durch Erfahrung“ kann erfüllt werden durch: Exkursionen, Lehrausgänge und Kontakte mit kompetenten Personen, die zu Vorträgen und Diskussionen eingeladen werden. Aus pädagogischen Gründen kann das in der Stundentafel vorgesehene Stundenausmaß ganz oder teilweise in Form eines Blockunterrichtes erfüllt werden, wobei eine Wochenstunde zwanzig Unterrichtsstunden pro Semester entspricht. Für die 3-semestrigen Kollegs ist der Lehrstoff des vorhandenen Lehrplanes entsprechend zu kürzen und auszuwählen.

Lehrstoff

1.

und 2. Semester – je eine Wochenstunde

Themenschwerpunkte:

A. Standortbestimmung und Persönlichkeitsbildung

B. Berufs- und Arbeitswelt

C. Auseinandersetzung mit dem Christlichen und den kirchlichen Entwicklungen

D. Gegenwärtige weltanschauliche Strömungen

mögliche Einzelthemen:

zu A. Der Schüler als Erwachsener in der Schule
Identitätsprobleme
Kriterien der Persönlichkeit
Zeichen der Reife und Unreife
Christliche Persönlichkeit
Individualität und Freiheit
Persönlichkeitsentwicklung und erfülltes Leben
Entwicklungsstufen des Menschen
Leitmotive der Berufswahl und ihr Zusammenhang mit der Persönlichkeitsentwicklung
zu B. Schöpfungsauftrag und Theologie der Arbeit
Arbeit und Beruf im Lichte der Katholischen Soziallehre
Umgang mit Autorität und Autoritäten (Zivilcourage, Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern)
Die Verantwortung für das Betriebsklima
Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit für Mann und Frau
Arbeitslosigkeit und Recht auf Arbeit
Beruf und Freizeit
zu C. Christliches Menschenbild und gesellschaftliche
Rollenerwartung
Christliche Lebensformen (Familie, Orden, . . .)
Sakramentenpraxis
Aufgaben und Ämter in der Kirche für Mann und Frau
Das Kirchenbild im Wandel der Zeit
Humanität und Diakonie
Kirche in der Dritten Welt
zu D. Verständnis für andere Kulturen und Religionen
Orientierung im weltanschaulichen Pluralismus (Esoterik, New Age)
Das Menschenbild im weltanschaulichen Pluralismus
Spannungen zwischen Volksfrömmigkeit und Industriekultur
Synkretismus
3.

und 4. Semester – je eine Wochenstunde Themenschwerpunkte:

E. Glaube als Antwort auf die Sinnfrage

F. Verantwortung als Christ in Gesellschaft und Kirche

G. Aktuelle ethische Fragen in Wissenschaft, Technik und Wirtschaft

H. Berufsethos

mögliche Einzelthemen:

zu E. Das Verhältnis von Glaube und Wissen
Der Mensch angesichts seiner Erfahrung mit Grenzen (Leid, Tod, Schuld, Sünde)
Akzeptieren der Endlichkeit (Kontingenz) und Hoffnung auf Transzendenz
Sehnsucht nach dem ganz Anderen
Streben nach Lebenssinn – Orientieren an Glaubensgemeinschaften
Glückliches Leben – Glauben
zu F. Christ und Politik
Kirche und politische Parteien
Grundanliegen der kath. Soziallehre
Der Zusammenhang von Armut und Bildung
Verantwortung für den Schwächeren – eine christliche Grundforderung
Soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte
Mitarbeit in der Kirche
zu G. Steuermoral
Umgang mit öffentlichen Mitteln – eine besondere Herausforderung an das christliche Gewissen
Verantwortlicher Umgang mit der Schöpfung
Genmanipulation (Leihmütter, ...)
Manipulation in Politik und Wirtschaft
Ethische Probleme im wirtschaftlichen Leben
Die Verantwortung für die Zukunft – ethische Grundsätze der Machbarkeit
zu H. Mitgestalten, Mitbestimmen, Mitverantwortung
Karrierestreben
Mißbrauch der Mittel des Arbeitgebers – ein Kavaliersdelikt?
Ethische Bewertung von Berufsbildern: Sind bestimmte Beschäftigungen weniger gut als andere (medizinische Geräte, Spielautomaten)?
Interessenkonflikt: Familie und Beruf
Sittliche Reife und verantwortungsbewußtes Handeln im Beruf

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