Bundesgesetz vom 13. Oktober 1965 über die Verrechnungssteuer (Verrechnungssteuergesetz, VStG)
(Verrechnungssteuergesetz, VStG) 1 vom 13. Oktober 1965 (Stand am 2. Juli 2019) Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, bis Absatz 1 Buchstaben a und b und Absätze 2 und 3 gestützt auf Artikel 41
2 3 der Bundesverfassung ,
4 nach Einsicht in eine Botschaft des Bundesrates vom 18. Oktober 1963 , beschliesst: Einleitung
Art. 1
1 Der Bund erhebt eine Verrechnungssteuer auf dem Ertrag bewegli- A. Gegenstand des Gesetzes chen Kapitalvermögens, auf Gewinnen aus Geldspielen im Sinne des
5 Geldspielgesetzes vom 29. September 2017 (BGS), auf Gewinnen aus Lotterien und Geschicklichkeitsspielen zur Verkaufsförderung, die nach Artikel 1 Absatz 2 Buchstaben d und e BGS diesem nicht unterstehen, und auf Versicherungsleistungen; wo es das Gesetz vorsieht, tritt anstelle der Steuerentrichtung die Meldung der steuerbaren Leis-
6 . tung
2 Die Verrechnungssteuer wird dem Empfänger der um die Steuer gekürzten Leistung nach Massgabe dieses Gesetzes vom Bund oder vom Kanton zu Lasten des Bundes zurückerstattet.
7 Art. 2
1 Der Anteil der Kantone am jährlichen Reinertrag der Verrechnungs- B. Provision der Kantone steuer beträgt 10 Prozent.
2 Er wird jeweils zu Beginn des Folgejahres auf die Kantone verteilt. Als Bemessungsgrundlage dient die Wohnbevölkerung nach dem letzten verfügbaren Ergebnis der eidgenössischen Volkszählung.
3 Der Bundesrat ordnet die Einzelheiten nach Anhörung der Kantonsregierungen.
Art. 3
1 Was dieses Gesetz als Gegenstand der Verrechnungssteuer oder C. Verhältnis zum kantonalen steuerfrei erklärt, ist der Belastung durch gleichgeartete Kantonsund Recht Gemeindesteuern entzogen; Anstände, die sich auf Grund dieser Bestimmung ergeben, beurteilt das Bundesgericht als einzige Instanz
8 9 (Art. 120 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 ).
2 Die Verwendung von Urkunden in einem Verfahren, das in Anwendung dieses Gesetzes durchgeführt wird, begründet nicht die Pflicht zur Entrichtung kantonaler Stempelabgaben. Erster Abschnitt: Steuererhebung
Art. 4
1 Gegenstand der Verrechnungssteuer auf dem Ertrag beweglichen A. Gegenstand der Steuer Kapitalvermögens sind die Zinsen, Renten, Gewinnanteile und sonsti- I. Kapitalerträge gen Erträge: 1. Regel
- a. der von einem Inländer ausgegebenen Obligationen, Serienschuldbriefe, Seriengülten und Schuldbuchguthaben;
10 der von einem Inländer ausgegebenen Aktien, Stammanteile b. an Gesellschaften mit beschränkter Haftung, Genossenschaftsanteile, Partizipationsscheine und Genussscheine.
11 c. der von einem Inländer oder von einem Ausländer in Verbindung mit einem Inländer ausgegebenen Anteile an einer kollektiven Kapitalanlage gemäss Kollektivanlagengesetz vom
12 23. Juni 2006 (KAG);
- d. der Kundenguthaben bei inländischen Banken und Sparkassen.
2 Die Verlegung des Sitzes einer Aktiengesellschaft, Gesellschaft mit beschränkter Haftung oder Genossenschaft ins Ausland steht steuerlich der Liquidation der Gesellschaft oder Genossenschaft gleich; diese Bestimmung findet auf kollektive Kapitalanlagen gemäss KAG
13 sinngemässe Anwendung.
14 Art. 4 a
1 a . Erwerb
1 Erwirbt eine Gesellschaft oder eine Genossenschaft gestützt auf eigener Beeinen Beschluss über die Herabsetzung des Kapitals oder im Hinblick teiligungsrechte auf eine Herabsetzung ihres Kapitals eigene Beteiligungsrechte (Aktien, Stammanteile von Gesellschaften mit beschränkter Haftung, Anteilscheine, Partizipationsscheine oder Genussscheine), so unterliegt die Differenz zwischen dem Erwerbspreis und dem einbezahlten Nennwert dieser Beteiligungsrechte der Verrechnungssteuer. Dasselbe gilt, soweit der Erwerb eigener Beteiligungsrechte den Rahmen der
15 16 Artikel 659 oder 783 des Obligationenrechts überschreitet.
2 Erwirbt eine Gesellschaft oder eine Genossenschaft im Rahmen der Artikel 659 oder 783 des Obligationenrechts eigene Beteiligungsrechte, ohne anschliessend ihr Kapital herabzusetzen, so gilt Absatz 1 sinngemäss, wenn die Gesellschaft oder die Genossenschaft diese Beteiligungsrechte nicht innerhalb von sechs Jahren wieder veräus-
17 sert.
3 Hat eine Gesellschaft oder Genossenschaft eigene Beteiligungsrechte aus Anlass von Verpflichtungen erworben, die auf einer Wandelanleihe, einer Optionsanleihe oder einem Mitarbeiterbeteiligungsplan beruhen, so steht die Frist zur Wiederveräusserung nach Absatz 2 bis zum Erlöschen der betreffenden Verpflichtungen, im Falle des Mitarbeiterbeteiligungsplans jedoch längstens sechs Jahre, still.
Art. 5
1 Von der Steuer sind ausgenommen: 2. Ausnahmen
18 die Reserven und Gewinne einer Kapitalgesellschaft gemäss a. Artikel 49 Absatz 1 Buchstabe a des Bundesgesetzes vom
Fussnoten
[^1]: Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 15. Juni 2012, in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 5981; BBl 2011 6615).
[^2]: [BS 1 3; AS 1958 362, 1985 1026]. Den genannten Bestimmungen entsprechen heute Art. 132 Abs. 2 und 134 der BV vom 18. April 1999 (SR 101 ).
[^3]: Fassung gemäss Ziff. II des BG vom 8. Okt. 1999, in Kraft seit 1. Jan. 2000 (AS 2000 324; BBl 1999 5966).
[^4]: BBl 1963 II 953
[^5]: SR 935.51
[^6]: Fassung gemäss Anhang Ziff. II 7 des Geldspielgesetzes vom 29. Sept. 2017, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 5103; BBl 2015 8387).
[^7]: Fassung gemäss Ziff. II 12 des BG vom 6. Okt. 2006 zur Neugestaltung des Finanz- ausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA), in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 5779; BBl 2005 6029).
[^8]: SR 173.110
[^9]: Fassung gemäss Anhang Ziff. 60 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 2197 1069; BBl 2001 4202).
[^10]: Fassung gemäss Anhang Ziff. 9 des BG vom 16. Dez. 2005 (GmbH-Recht sowie Anpassungen im Aktien-, Genossenschafts-, Handelsregister- und Firmenrecht), in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 4791; BBl 2002 3148, 2004 3969).
[^11]: Fassung gemäss Anhang Ziff. II 8 des Kollektivanlagengesetzes vom 23. Juni 2006, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 5379; BBl 2005 6395).
[^12]: SR 951.31
[^13]: Fassung gemäss Anhang Ziff. II 8 des Kollektivanlagengesetzes vom 23. Juni 2006, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 5379; BBl 2005 6395).
[^14]: Eingefügt durch Ziff. I 4 des BG vom 10. Okt. 1997 über die Reform der Unternehmens- besteuerung 1997, in Kraft seit 1. Jan. 1998 (AS 1998 669; BBl 1997 II 1164).
[^15]: SR 220
[^16]: Fassung gemäss Anhang Ziff. 9 des BG vom 16. Dez. 2005 (GmbH-Recht sowie Anpassungen im Aktien-, Genossenschafts-, Handelsregister- und Firmenrecht), in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 4791; BBl 2002 3148, 2004 3969).
[^17]: Fassung gemäss Anhang Ziff. 9 des BG vom 16. Dez. 2005 (GmbH-Recht sowie Anpassungen im Aktien-, Genossenschafts-, Handelsregister- und Firmenrecht), in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 4791; BBl 2002 3148, 2004 3969).
[^18]: Fassung gemäss Anhang Ziff. 9 des Fusionsgesetzes vom 3. Okt. 2003, in Kraft seit 1. Juli 2004 (AS 2004 2617; BBl 2000 4337).
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