Preisüberwachungsgesetz vom 20. Dezember 1985 (PüG)
septies bis 1 und 64 der Bundesverfassung , gestützt auf die Artikel 31
2 nach Einsicht in eine Botschaft des Bundesrates vom 30. Mai 1984 , beschliesst:
1. Abschnitt: Geltungsbereich
3 Art. 1 Sachlicher Geltungsbereich Das Gesetz gilt für Preise von Waren und Dienstleistungen einschliesslich der Kredite. Ausgenommen sind Löhne und andere Leistungen aus dem Arbeitsverhältnis sowie die Kredittätigkeit der Schweizerischen Nationalbank.
4 Art. 2 Persönlicher Geltungsbereich Das Gesetz gilt für Wettbewerbsabreden im Sinne des Kartellgesetzes vom
5 6. Oktober 1995 und für marktmächtige Unternehmen des privaten und des öffentlichen Rechts.
2. Abschnitt: Beauftragter für die Überwachung der Preise
Art. 3 Wahl
1 Der Bundesrat wählt einen Beauftragten für die Überwachung der Preise (Preisüberwacher).
2 Der Preisüberwacher ist dem Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement unterstellt. Es steht ihm ein Mitarbeiterstab zur Verfügung.
Art. 4 Aufgaben
1 Der Preisüberwacher beobachtet die Preisentwicklung.
2 Er verhindert oder beseitigt die missbräuchliche Erhöhung und Beibehaltung von Preisen. Vorbehalten bleibt die Überwachung bestimmter Preise durch andere Behörden (Art. 15).
3 Er orientiert die Öffentlichkeit über seine Tätigkeit.
Art. 5 Zusammenarbeit
1 Die Preisüberwachung erfolgt in Zusammenarbeit mit den interessierten Kreisen. Bei Kreditzinsen handelt der Preisüberwacher insbesondere nach eingehender Kon-
6 sultation mit der Nationalbank und der Eidgenössischen Bankenkommission.
2 7 Der Preisüberwacher arbeitet mit der Wettbewerbskommission zusammen. Er nimmt mit beratender Stimme an deren Sitzungen teil.
3 Preisüberwacher und Wettbewerbskommission orientieren sich gegenseitig über wichtige Entscheidungen.
4 Sind Fragen des persönlichen Geltungsbereichs (Art. 2) und des wirksamen Wettbewerbes (Art. 12) zu beurteilen, so haben der Preisüberwacher oder die zuständige Behörde (Art. 15) die Wettbewerbskommission zu konsultieren, bevor sie eine Verfügung treffen. Die Wettbewerbskommission kann die Stellungnahmen veröf-
8 fentlichen. 3. Abschnitt: Massnahmen zur Verhinderung oder Beseitigung der missbräuchlichen Erhöhung und Beibehaltung von Preisen
Art. 6 Voranmeldung
Beabsichtigen Beteiligte an Wettbewerbsabreden oder marktmächtige Unternehmen
9 eine Preiserhöhung, können sie diese dem Preisüberwacher unterbreiten. Dieser erklärt innert 30 Tagen, ob er die Preiserhöhung für unbedenklich hält.
Art. 7 Meldungen
Wer vermutet, die Erhöhung oder Beibehaltung eines Preises sei missbräuchlich, kann dies dem Preisüberwacher schriftlich melden.
Art. 8 Abklärung
Aufgrund der Meldungen oder eigener Beobachtungen klärt der Preisüberwacher ab, ob Anhaltspunkte für eine missbräuchliche Preiserhöhung oder -beibehaltung bestehen.
Art. 9 Einvernehmliche Regelung
Stellt der Preisüberwacher einen Missbrauch fest, strebt er mit den Betroffenen eine einvernehmliche Regelung an; diese bedarf keiner besonderen Form.
Art. 10 Entscheid
Kommt keine einvernehmliche Regelung zustande, untersagt der Preisüberwacher die Erhöhung ganz oder teilweise oder verfügt eine Preissenkung.
Art. 11 Veränderte Verhältnisse
1 Die einvernehmliche Regelung oder der Entscheid sind in ihrer Gültigkeit zu befristen.
2 Der Preisüberwacher erklärt sie auf Antrag des Betroffenen vor Fristablauf als hinfällig, sofern sich die tatsächlichen Verhältnisse inzwischen wesentlich geändert haben.
4. Abschnitt: Preismissbrauch
Art. 12 Wettbewerbspolitischer Grundsatz
1 Preismissbrauch im Sinne dieses Gesetzes kann nur vorliegen, wenn die Preise auf dem betreffenden Markt nicht das Ergebnis wirksamen Wettbewerbs sind.
2 Wirksamer Wettbewerb besteht insbesondere, wenn die Abnehmer die Möglichkeit haben, ohne erheblichen Aufwand auf vergleichbare Angebote auszuweichen.
Art. 13 Beurteilungselemente
1 Bei der Prüfung, ob eine missbräuchliche Erhöhung oder Beibehaltung eines Preises vorliegt, hat der Preisüberwacher insbesondere zu berücksichtigen:
- a. die Preisentwicklung auf Vergleichsmärkten;
- b. die Notwendigkeit der Erzielung angemessener Gewinne;
- c. die Kostenentwicklung;
- d. besondere Unternehmerleistungen;
- e. besondere Marktverhältnisse.
2 Bei der Überprüfung der Kosten kann der Preisüberwacher auch den Ausgangspreis (Preissockel) berücksichtigen. 5. Abschnitt: Massnahmen bei behördlich festgesetzten oder genehmigten Preisen
Art. 14
1 Ist die Legislative oder die Exekutive des Bundes, eines Kantons oder einer Gemeinde zuständig für die Festsetzung oder Genehmigung einer Preiserhöhung, die von den Beteiligten an einer Wettbewerbsabrede oder einem marktmächtigen Unter-
10 nehmen beantragt wird, so hört sie zuvor den Preisüberwacher an. Er kann beantragen, auf die Preiserhöhung ganz oder teilweise zu verzichten oder einen missbräuchlich beibehaltenen Preis zu senken.
2 Die Behörde führt die Stellungnahme in ihrem Entscheid an. Folgt sie ihr nicht, so begründet sie dies.
3 Bei der Prüfung der Frage, ob ein Preismissbrauch vorliegt, berücksichtigt der Preisüberwacher allfällige übergeordnete öffentliche Interessen. 6. Abschnitt: Massnahmen bei anderen bundesrechtlichen Preisüberwachungen
Art. 15
1 Werden verabredete Preise oder Preise eines marktmächtigen Unternehmens bereits aufgrund anderer bundesrechtlicher Vorschriften überwacht, so beurteilt sie die
11 zuständige Behörde anstelle des Preisüberwachers.
2 Die Behörde richtet sich dabei nach dem vorliegenden Gesetz, soweit dies mit den Zielen ihrer Überwachung vereinbar ist. 2bis Die Behörde orientiert den Preisüberwacher über die von ihr vorzunehmenden Preisbeurteilungen. Der Preisüberwacher kann beantragen, auf eine Preiserhöhung ganz oder teilweise zu verzichten oder einen missbräuchlich beibehaltenen Preis zu
12 senken. 2ter Die Behörde führt die Stellungnahme des Preisüberwachers in ihrem Entscheid
13 an. Folgt sie ihr nicht, so begründet sie dies.
3 Verfahren, Rechtsschutz und Straffolgen richten sich nach den entsprechenden bundesrechtlichen Erlassen. 7. Abschnitt: Verhältnis von Untersuchungen der Wettbewerbskommission und Entscheidungen des Preisüberwachers
14 Art. 16
1 Die Wettbewerbskommission kann Untersuchungen gegen Wettbewerbsabreden oder marktmächtige Unternehmen einleiten, auch wenn der Preisüberwacher den Preis herabgesetzt oder das Verfahren eingestellt hat.
2 Dem Preisüberwacher bleibt die Überprüfung der Missbräuchlichkeit von verabredeten Preisen oder Preisen von marktmächtigen Unternehmen vorbehalten.
8. Abschnitt: Auskunftspflicht, Mitwirkung und Geheimhaltung
Art. 17 Auskunftspflicht
Beteiligte an Wettbewerbsabreden, marktmächtige Unternehmen sowie am Markt beteiligte Dritte müssen dem Preisüberwacher alle erforderlichen Auskünfte erteilen
15 und die notwendigen Unterlagen zur Verfügung stellen. Dritte sind zur Offenbarung von Fabrikationsoder Geschäftsgeheimnissen nicht verpflichtet.
Art. 18 Mitwirkung
Der Preisüberwacher kann von Amtsstellen und Aufsichtsbehörden des Bundes, der Kantone und Gemeinden sowie von Organisationen der Wirtschaft verlangen, bei seinen Abklärungen mitzuwirken und die notwendigen Unterlagen zur Verfügung zu stellen.
Art. 19 Amtsund Geschäftsgeheimnis
1 Der Preisüberwacher wahrt das Amtsgeheimnis.
2 Er darf keine Geschäftsgeheimnisse preisgeben.
9. Abschnitt: Rechtsschutz
16 Art. 20 Grundsatz Der Rechtsschutz richtet sich nach den allgemeinen Bestimmungen über die Bundesrechtspflege.
Art. 21 Beschwerdelegitimation von Konsumentenorganisationen
Den Organisationen von nationaler oder regionaler Bedeutung, die sich statutengemäss dem Konsumentenschutz widmen, steht das Beschwerderecht zu.
17 Art. 22
10. Abschnitt: Strafbestimmungen
Art. 23 Anwendung missbräuchlicher Preise
1 Wer vorsätzlich:
- a. eine verfügte Preissenkung nicht vornimmt,
- b. trotz Untersagung einen Preis erhöht oder
- c. einvernehmlich geregelte Preise überschreitet, wird mit Busse bis zu 100 000 Franken bestraft.
2 Der Versuch ist strafbar.
Art. 24 Verletzung der Auskunftspflicht
Wer vorsätzlich:
- a. der Auskunftspflicht (Art. 17) nicht nachkommt oder
- b. unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Busse bis zu 20 000 Franken bestraft.
Art. 25 Anwendbarkeit des Verwaltungsstrafrechts
1 Für die Verfolgung und Beurteilung der strafbaren Handlungen gilt das Verwal-
18 tungsstrafrechtsgesetz vom 22. März 1974 .
2 Verfolgende und urteilende Verwaltungsbehörde ist das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement.
11. Abschnitt: Schlussbestimmungen
Art. 26 Vollzug
1 Der Preisüberwacher und die zuständigen Behörden (Art. 15) vollziehen dieses Gesetz.
2 Der Bundesrat erlässt die Ausführungsbestimmungen. Insbesondere kann er Bestimmungen über die Koordination der Tätigkeiten des Preisüberwachers und der
19 zuständigen Behörden (Art. 15) erlassen.
Art. 27 Referendum und Inkrafttreten
1 Dieses Gesetz untersteht dem fakultativen Referendum.
2 Der Bundesrat bestimmt das Inkrafttreten.
Fussnoten
[^1]: [BS 1 3]
[^2]: BBl 1984 II 755
[^3]: Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 22. März 1991, in Kraft seit 1. Okt. 1991 (AS 1991 2092 2093; BBl 1990 I 97).
[^4]: Fassung gemäss Anhang Ziff. 3 des Kartellgesetzes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Juli 1996 (SR 251 ).
[^5]: SR 251
[^6]: Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 22. März 1991, in Kraft seit 1. Okt. 1991 (AS 1991 2092 2093; BBl 1990 I 97).
[^7]: Ausdruck gemäss Anhang Ziff. 3 des Kartellgesetzes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Juli 1996 (SR 251 ). Diese Änd. ist im ganzen Erlass berücksichtigt.
[^8]: Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 22. März 1991, in Kraft seit 1. Okt. 1991 (AS 1991 2092 2093; BBl 1990 I 97).
[^9]: Fassung gemäss Anhang Ziff. 3 des Kartellgesetzes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Juli 1996 (SR 251 ).
[^10]: Fassung gemäss Anhang Ziff. 3 des Kartellgesetzes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Juli 1996 (SR 251 ).
[^11]: Fassung gemäss Anhang Ziff. 3 des Kartellgesetzes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Juli 1996 (SR 251 ).
[^12]: Eingefügt durch Ziff. I des BG vom 22. März 1991, in Kraft seit 1. Okt. 1991 (AS 1991 2092 2093; BBl 1990 I 97).
[^13]: Eingefügt durch Ziff. I des BG vom 22. März 1991, in Kraft seit 1. Okt. 1991 (AS 1991 2092 2093; BBl 1990 I 97).
[^14]: Fassung gemäss Anhang Ziff. 3 des Kartellgesetzes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Juli 1996 (SR 251 ).
[^15]: Fassung gemäss Anhang Ziff. 3 des Kartellgesetzes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Juli 1996 (SR 251 ).
[^16]: Fassung gemäss Anhang Ziff. 137 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (SR 173.32 ).
[^17]: Aufgehoben durch Anhang Ziff. 137 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005, mit Wirkung seit 1. Jan. 2007 (SR 173.32 ).
[^18]: SR 313.0
[^20]: Datum des Inkrafttretens: 1. Juli 1986
[^19]: Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 22. März 1991, in Kraft seit 1. Okt. 1991 (AS 1991 2092 2093; BBl 1990 I 97).
[^20]: BRB vom 16. April 1986 (AS 1986 900).
Die offiziellen Rechtstexte der Schweizerischen Eidgenossenschaft sind gemäss Art. 5 Abs. 1 lit. a–c des Urheberrechtsgesetzes (URG) gemeinfrei. Dieses Dokument ersetzt nicht die amtliche Publikation in der Amtlichen Sammlung (AS) oder im Bundesblatt (BBl). Für eventuelle Ungenauigkeiten bei der Konvertierung in dieses Format wird keine Haftung übernommen.