Übereinkommen vom 19. Februar 1906 zwischen der Verwaltung der Italienischen Staatsbahnen und der Verwaltung der Schweizerischen Bundesbahnen betreffend den Betrieb des internationalen Bahnhofes Domodossola und den Austausch des Rollmaterials

Typ Andere
Veröffentlichung 1906-02-19
Status In Kraft
Ministerium Bundeskanzlei
Quelle Fedlex
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Gemäss Artikel 4 des Übereinkommens zwischen der Schweiz und Italien betreffend den Anschluss des schweizerischen Bahnnetzes an das italienische durch den Simplon, die Bezeichnung des internationalen Bahnhofes und den Betrieb der Bahnstrecke Domodossola‑Iselle, abgeschlossen in Bern am 2. Dezember 1899[^1], haben,

die Italienischen Staatsbahnen (FS), vertreten durch:

(Es folgt der Name des italienischen Delegierten)

und die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), vertreten durch

(Es folgt der Name des schweizerischen Delegierten)

über den Betrieb des internationalen Bahnhofes Domodossola folgendes vereinbart:

I. Allgemeine und technische Bestimmungen
Art. 1 Grenzen des internationalen Bahnhofes und Funktionen desselben

Die Bauten und Anlagen, welche den internationalen Bahnhof Domodossola bilden, sind aus dem beiliegenden allgemeinen Plane und den fünf Detailplänen[^2] ersichtlich.

Der internationale Bahnhof beginnt bei der in der Richtung gegen Italien gelegenen Einfahrtsweiche und endigt bei der in der Richtung gegen die Schweiz gelegenen Ausfahrtsweiche.

Unter Vorbehalt des Abschlusses allfälliger späterer Vereinbarungen umfassen die Funktionen des internationalen Bahnhofes:

Für die Dienstverrichtungen im internationalen Verkehr und die Beziehungen des Austausches zwischen den FS und den SBB gilt der Bahnhof Domodossola als Transitstation und führt als solche die Bezeichnung Iselle‑transit, welches den Schnittpunkt der Linien der beiden Netze und der bezüglichen Distanzen und Tarife bildet.

Entsprechend der im Übereinkommen vom 2. Dezember 1899[^3] aufgestellten Verpflichtung sollen die Operationen für den Übergang der Güter im internationalen Verkehr möglichst vereinfacht werden.

Art. 2 Bezeichnung der Lokale und Anlagen für den gemeinschaftlichen Dienst, der Lokale für den ausschliesslichen Dienst

jeder Verwaltung und der Lokale für den Dienst der Sanitäts‑ und Veterinärpolizei

Die FS, als Eigentümer des internationalen Bahnhofes Domodossola, gestatten den SBB unter den in diesem Vertrag aufgestellten Bedingungen und für die in Artikel 1 desselben genannten Verrichtungen die Mitbenützung dieses Bahnhofes.

In den beiliegenden Plänen[^4] sind bezeichnet und umschrieben:

Art. 3 Erstellung von Neubauten

Die FS sind jederzeit berechtigt, auf dem für ihre ausschliessliche Benützung bestimmten Areal andere Gebäude und Anlagen zu errichten.

Für die Erstellung von Gebäuden und Anlagen auf dem für den gemeinschaftlichen Dienst der beiden Verwaltungen benützten Areal bedarf es des beiderseitigen Einverständnisses; im Streitfalle entscheidet hierüber die italienische Regierung nach Anhörung des Schweizerischen Bundesrates.

Wenn die SBB die Erstellung anderer Gebäude oder Anlagen auf dem zu ihrer ausschliesslichen Benützung bestimmten Areal wünschen, so haben sie ein bezügliches Begehren an die FS zu richten, und wenn die letztern es verweigern, so entscheidet hierüber die italienische Regierung nach Anhörung des Schweizerischen Bundesrates.

Art. 4 Entschädigung für die Benützung der Lokale

Die der schweizerischen Regierung für ihre eigenen Dienstverrichtungen gemäss Artikel 1 zugewiesenen Lokale und Anlagen, mit Ausnahme der für die Unterkunft des Personals und der für die Sanitäts‑ und Veterinärpolizei bestimmten, die durch besondere Verträge zwischen den Regierungen geregelt sind, werden von den FS unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Die SBB bezahlen den FS die zu 5 % per Jahr berechneten Zinsen eines auf Fr. 1 400 000 (eine Million und vierhunderttausend Franken) festgesetzten Anlagekapitals der gemäss den beiliegenden Plänen[^5] für den gemeinsamen Dienst und für die ausschliessliche Benützung durch die SBB bestimmten Anlagen.

Im Betrage des genannten Anlagekapitales sind inbegriffen die Unterkunftsräume für das Personal, aber ausgenommen diejenigen Teile der Lokale, Anlagen, Unterkunftsräume, Schlafstellen usw. des Lokomotiv‑ und Zugspersonals für die Zugförderung und Zugbegleitung auf der Strecke Domodossola–Iselle.

Art. 5 Unterhalt und Erneuerung

Die FS besorgen den Unterhalt und die Erneuerung der sämtlichen Bauten und Anlagen, die zum internationalen Bahnhof gehören.

Die Ausgaben für Unterhalt und Erneuerung der für den gemeinschaftlichen Dienst bestimmten Bahnhofteile (Art. 2) werden den gemeinschaftlichen Betriebskosten beigezählt (Art. 31).

Die SBB vergüten den FS die Auslagen für Unterhalt und Erneuerung der zu ihrer ausschliesslichen Benützung bestimmten Bahnhofteile, unter Vorbehalt der in Artikel 4 Absatz 3 festgesetzten Ausnahme.

In jedem Fall umfassen die genannten Kosten auch die Versicherungsprämie gegen Feuerschaden der Gebäude.

Die Kosten des Unterhalts und der Erneuerung für die den Bedürfnissen des Sanitäts‑ und Veterinärdienstes bestimmten Anlagen und Lokale bilden den Gegenstand einer besondern Konvention zwischen den Regierungen.[^6]

Art. 6 Lieferung und Unterhalt von Mobiliar, Utensilien und Material

Die FS besorgen für Rechnung beider Verwaltungen die Lieferung, den Unterhalt und die Erneuerung von Mobiliar, Utensilien und verschiedenen Gegenständen sowie die Beschaffung des erforderlichen Materials für den gemeinschaftlichen Dienst (Art. 8).

Dagegen hat jede Verwaltung für Anschaffung, Unterhalt und Erneuerung der für ihren ausschliesslichen Dienst benötigten Mobilien, Utensilien und Materialvorräte selbst aufzukommen und ebenso für die Versicherung derselben gegen Feuerschaden.

Dasselbe gilt für die Drucksachen, Instruktionssammlungen und ähnlichen für die Büros jeder der beiden Verwaltungen erforderlichen Bedürfnisse.

Lieferung, Unterhalt und Erneuerung von Mobiliar, Utensilien und Materialvorräten für die den Regierungen für deren Dienst zur Verfügung gestellten Lokale ist Sache dieser letztern.

Art. 7 Versicherung des Rollmaterials und der Materialvorräte

Jede der beiden Verwaltungen übernimmt auf eigene Kosten die Versicherung ihres Rollmaterials und ihrer Materialvorräte gegen Feuerschaden auf dem Bahnhof Domodossola.

II. Bestimmungen betreffend den Betrieb
Art. 8 Gemeinschaftlicher Dienst der beiden Eisenbahnverwaltungen

Der gemeinschaftliche Dienst der beiden Eisenbahnverwaltungen im internationalen Bahnhof wird von den FS für eigene und für Rechnung der SBB besorgt.

Dieser Dienst umfasst:

Art. 9 Material für die Wagen

Das Material für die Heizung der Personenwagen und die Beleuchtung der Personen‑ und Gepäckwagen sowie für das Schmieren der Wagen wird für die in der Richtung nach der Schweiz fahrenden Züge von den SBB und für die in der Richtung nach Italien fahrenden Züge von den FS geliefert.

Art. 10 Ausschliesslicher Dienst der FS

Der ausschliessliche Dienst der FS umfasst:

Art. 11 Ausschliesslicher Dienst der SBB

Der ausschliessliche Dienst der SBB umfasst:

Art. 12 Tragung der Kosten für die den beiden Regierungen reservierten

Lokalitäten

Die Kosten für Beleuchtung und Reinigung der der italienischen und schweizerischen Regierung reservierten Lokalitäten fallen zu Lasten der dieselben benützenden Verwaltungen.

Art. 13 Rechnungsführung

Die FS liefern nach eigenen oder nach vereinbarten Formularen die Billette für den Personenverkehr von Domodossola (Iselle‑transit) nach der Schweiz und weiter und von Domodossola in der Richtung nach Italien sowie auch für den Verkehr auf der Strecke Domodossola–Iselle.

Das nämliche gilt mit Bezug auf die Lieferung der Gepäckscheinhefte, der Beklebezettel, der Register für die Buchführung sowie überhaupt sämtlicher Drucksachen für den Personen‑ und Gepäckdienst und der auf diesen Dienst bezüglichen Reglemente und Instruktionen der beiden Verwaltungen.

Über den Verkauf von Spezialbilletten der SBB und über die Organisation des Güterdienstes werden zwischen den beiden Verwaltungen Vereinbarungen getroffen werden.

Art. 14 Zollbehandlung

Die Zollbehandlung und die Erfüllung der Zollformalitäten auf dem internationalen Bahnhof Domodossola finden durch die FS statt.

Eine Ausnahme besteht nur für das Gepäck und die Gegenstände, welche die Reisenden mit sich führen, für deren Verzollung die Reisenden selbst zu sorgen haben.

Die schweizerische Zollbehandlung und die Erfüllung der bezüglichen Formalitäten für die Geld‑ und Wertsendungen und die messageries (Stückgüter in Eilfracht) erfolgen durch die SBB, mit Ausnahme des Gepäcks und der Reiseeffekten, wie das bereits oben bemerkt ist.

Jede Verwaltung bezieht für die Besorgung der Zollbehandlung und die Erfüllung der bezüglichen Zollformalitäten die hierfür festgesetzten Kommissions‑ und Manipulationsgebühren nebst der Vergütung der erwachsenen Auslagen.

Diese Gebühren für die Besorgung der Zollbehandlung dürfen nicht höher sein als diejenigen, welche die beiden Verwaltungen bei gleichen Verrichtungen und Leistungen auf andern internationalen Bahnhöfen erheben.

Diese Regel gilt auch für die schweizerische Zollbehandlung und die Erfüllung der Zollformalitäten in Brig.

Art. 15 Weitertransport mit oder ohne Umlad

Der Weitertransport ohne Umlad auf dem internationalen Bahnhof kann nur bei Sendungen in ganzen Wagenladungen stattfinden, seien es solche nach dem Gewicht (wenn die Sendung mindestens die Hälfte des Ladegewichtes ausmacht) oder nach dem Volumen oder solche, bei denen die Ladung nach Massgabe der angewendeten Tarife als ganze Wagenladung zu betrachten ist.

Für den Übergang der plombierten ganzen Wagenladungen von einer Verwaltung auf die andere in symbolischer Art und für die übrigen Sendungen durch faktische Übergabe sowie für die übrigen Bedingungen sind die zwischen den italienischen und schweizerischen Eisenbahnen geltenden Übereinkommen massgebend.

Im übrigen wird sich der Übergang gemäss dem internationalen Übereinkommen vom 14. Oktober 1890[^7] über den Eisenbahnfrachtverkehr vollziehen.

Art. 16 Übergabe und Übernahme der Transporte zwischen den beiden Verwaltungen

Die Übergabe und Übernahme des Gepäcks zwischen den beiden Verwaltungen geschieht derart, dass der Weitertransport mit den Anschlusszügen gesichert ist, auch wenn sich die beiden Verwaltungen nicht dahin verständigen könnten, einen direkten Kondukteurdienst von einem Netz auf das andere einzurichten.

Die Übergabe und Übernahme der Geld‑ und Wertsendungen und der messageries (Stückgüter in Eilfracht) in beiden Richtungen (aus Italien nach der Schweiz und umgekehrt) erfolgt nach stattgefundener Ausgangsverzollung aus dem Lande, welchem die übergebende Verwaltung angehört.

Bei den übrigen Transporten in der Richtung aus Italien nach der Schweiz erfolgt die Übergabe seitens der FS und die Übernahme seitens der SBB nach vollzogener italienischer Ausgangsverzollung.

Bei den nämlichen Transporten in der Richtung aus der Schweiz nach Italien erfolgt die schweizerische Ausgangsverzollung schon in Brig, aber bei der Ankunft der Güter in Domodossola haben die SBB ein nach den Vorschriften für die italienische Zollbehandlung angefertigtes Ladeverzeichnis auszustellen und vorzulegen. Hierauf werden die SBB die Übergabe an die FS bewirken, welchen die Besorgung der italienischen Zollbehandlung obliegt (Art. 10).

Das Verfahren für die Übergabe und Übernahme der Transporte zwischen den beiden Verwaltungen wird Gegenstand einer besondern Vereinbarung bilden,

Art. 17 Haftpflicht für die Transporte

Die Haftpflicht für das Gepäck, die Geld‑ und Wertsendungen, die Eil‑ und Frachtgüter, die Fahrzeuge, die Tiere und die andern Gegenstände, welche im internationalen Verkehr befördert werden, sich auf dem Bahnhof Domodossola befinden und den internationalen Verkehr bilden (Art. 1) sowie diejenigen, welche den internationalen Verkehr der Strecke Domodossola–Iselle betreffen, wird von den beiden Bahnverwaltungen gemeinschaftlich getragen.

Es sind daher die zu bezahlenden Entschädigungen für Schäden, welche diesen Gegenständen aus irgendwelchem Grunde auf dem internationalen Bahnhofe zustossen, und ebenso die Entschädigungen für den gänzlichen oder teilweisen Verlust derselben den gemeinschaftlichen Betriebskosten zuzurechnen, unter Abzug allfälliger Ersatzbeträge von seiten Dritter oder des Personals.

Die Haftpflicht beginnt im Momente des Eintreffens der Transporte im internationalen Bahnhof und endigt im Augenblick ihrer Ausfahrt aus demselben.

Die Feststellung der Schadensfälle, die zu Lasten der gemeinschaftlichen Betriebsrechnung zu entschädigen sind, geschieht im Einvernehmen des Vorstandes des internationalen Bahnhofes und des Vertreters der SBB.

Art. 18 Lagergebühren

Die beiden Verwaltungen verpflichten sich gegenseitig, für die internationalen Transporte und diejenigen der Strecke Domodossola‑Iselle, die auf dem Bahnhof Domodossola aufgehalten werden, und zwar aus Ursachen, die nicht von den Versandverwaltungen abhängen, Lagergebühren anzurechnen und zu erheben,

Die SBB erhalten 35% der Gesamtsumme dieser Gebühren.

Die Anwendung der Lagergebühren geschieht auf Grundlage der eigenen Tarife und Transportbedingungen durch diejenige Verwaltung, die im Besitz der Begleitpapiere ist. Die Abrechnung zwischen den beiden Verwaltungen erfolgt durch die Einnahmenkontrollen.

Art. 19 Zusammensetzung der Züge

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