Verordnung vom 21. August 2007 über elektrische Niederspannungsinstallationen (Niederspannungs-Installationsverordnung, NIV)

Typ Verordnung
Veröffentlichung 2007-08-24
Status In Kraft
Quelle Lilex
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Aufgrund von Art. 2 des Gesetzes vom 15. Dezember 1982 über die elektrischen Schwach- und Starkstromanlagen (Elektrizitätsgesetz), LGBl. 1983 Nr. 16, verordnet die Regierung:

I. Allgemeine Bestimmungen

Art. 1

Gegenstand

Diese Verordnung regelt die Voraussetzungen für das Arbeiten an elektrischen Niederspannungsinstallationen (elektrische Installationen) und die Kontrolle dieser Installationen.

Art. 2

Geltungsbereich

1) Diese Verordnung gilt für elektrische Installationen:

2) Können einzelne Bestimmungen dieser Verordnung nur unter ausserordentlichen Schwierigkeiten befolgt werden oder erweisen sie sich für die technische Entwicklung als hinderlich, so kann die Regierung oder in weniger bedeutenden Fällen das Starkstrominspektorat auf begründetes Gesuch hin Abweichungen bewilligen.

3) Diese Verordnung gilt nicht für:

Art. 3

Begriffe; Bezeichnungen

1) Im Sinne dieser Verordnung bedeuten:

2) Aufgehoben[^2]

3) Unter den in dieser Verordnung verwendeten Personenbezeichnungen sind alle Personen unabhängig ihres Geschlechts zu verstehen, sofern sich die Personenbezeichnungen nicht ausdrücklich auf ein bestimmtes Geschlecht beziehen.[^3]

Art. 4

Sicherheit

1) Elektrische Installationen müssen nach den anerkannten Regeln der Technik erstellt, geändert, in Stand gehalten und kontrolliert werden. Sie dürfen bei bestimmungsgemässem und möglichst auch bei voraussehbarem unsachgemässem Betrieb oder Gebrauch sowie in voraussehbaren Störungsfällen weder Personen noch Sachen gefährden.

2) Als anerkannte Regeln der Technik gelten insbesondere die Normen der International Electrotechnical Commission (IEC) und des Comité Européen de Normalisation ELECtrotechnique (CENELEC) sowie die schweizerischen Niederspannungsinstallationsnormen (NIN).

3) Alle Steckdosenstromkreise bis zu einer Nennstromstärke von 32 A sind zusätzlich mit einer Fehlerstromschutzschaltung mit maximal 30 mA zu versehen. Wird in begründeten Fällen die Aufrechterhaltung des Betriebes einer Anwendung höher eingestuft als die Wirkung des Fehlerstromschutzes, können andere wirksame Schutzmassnahmen ergriffen werden. Diese Anwendungen (Installationsbereiche) müssen dauerhaft und unmissverständlich gekennzeichnet werden. Als mögliche gleichwertige Schutzmassnahmen können betrachtet werden:

4) Bestehen keine spezifischen technischen Normen, so ist nach jenen Normen vorzugehen, die sich sinngemäss anwenden lassen. Die Regierung entscheidet in Zweifelsfällen.

Art. 5

Vermeidung von Störungen

1) Elektrische Installationen müssen, soweit dies ohne aussergewöhnlichen Aufwand möglich ist, so erstellt, geändert und in Stand gehalten werden, dass sie den bestimmungsgemässen Gebrauch von anderen elektrischen Installationen, elektrischen Erzeugnissen und Schwachstrominstallationen nicht in unzumutbarer Weise stören.

2) Störungsgefährdete elektrische Installationen müssen, soweit dies ohne aussergewöhnlichen Aufwand möglich ist, so erstellt, geändert und in Stand gehalten werden, dass ihr bestimmungsgemässer Gebrauch nicht durch andere elektrische Installationen und elektrische Erzeugnisse in unzumutbarer Weise gestört wird.

3) Für die elektromagnetische Verträglichkeit von Erzeugnissen, die in elektrische Installationen eingebaut oder daran angeschlossen werden, gelten die Bestimmungen der Verordnung über den Schutz gegen elektromagnetische Störungen.

4) Treten trotz Beachtung der anerkannten Regeln der Technik unzumutbare Beeinflussungen auf, die nur mit grossem Aufwand beseitigt werden können, so suchen sich die Beteiligten zu verständigen. Können sie sich nicht einigen, so entscheidet die Regierung.

Art. 6

Pflichten des Eigentümers einer elektrischen Installation

1) Der Eigentümer einer elektrischen Installation oder der von ihm bezeichnete Vertreter sorgt dafür, dass die elektrischen Installationen den Anforderungen der Art. 4 und 5 entsprechen. Er hat auf Verlangen eines Kontrollorgans die entsprechende Konformitätserklärung vorzuweisen.

2) Er hat zu diesem Zweck die technischen Unterlagen der elektrischen Installationen (Konformitätserklärung, Installationsschema, Installationspläne, Betriebsanleitungen etc.), die ihm vom Ersteller der elektrischen Installation ausgehändigt werden müssen, während ihrer ganzen Lebensdauer aufzubewahren.

3) Er muss Mängel unverzüglich beheben lassen.

4) Wer eine elektrische Installation, die im Eigentum eines Dritten steht, unmittelbar betreibt und nutzt, muss festgestellte Mängel dem Eigentümer bzw. dessen Vertreter nach Massgabe der Regelung seines Nutzungsrechts unverzüglich melden und deren Behebung veranlassen.

II. Bewilligungen für Installationsarbeiten

A. Allgemeine Bestimmungen

Art. 7

Bewilligungspflicht

1) Wer elektrische Installationen erstellt, ändert oder in Stand stellt und wer ortsfeste elektrische Erzeugnisse an elektrische Installationen fest oder gesteckt anschliesst oder solche Anschlüsse unterbricht, ändert oder in Stand stellt, braucht eine Installationsbewilligung.

2) Zuständig für die Erteilung sind:

Art. 8

Inhalt der Installationsbewilligung

Die Installationsbewilligung legt fest:

Art. 9

Übertragbarkeit der Installationsbewilligung

Die Installationsbewilligung ist nicht übertragbar.

Art. 10

Widerruf der Installationsbewilligung

Die Installationsbewilligung wird widerrufen, wenn:

Art. 11

Änderung der Installationsbewilligung

Der Bewilligungsinhaber muss dem Netzbetreiber bzw. dem Stark-strominspektorat innert zwei Wochen jede Tatsache melden, die eine Änderung der Installationsbewilligung erfordert.

Art. 12

Verzeichnis der Installationsbewilligungen

1) Der Netzbetreiber und das Starkstrominspektorat führen ein Verzeichnis der von ihnen erteilten Installationsbewilligungen; diese Verzeichnisse sind öffentlich.

2) Widerrufene oder erloschene Installationsbewilligungen sind unverzüglich aus dem Verzeichnis zu entfernen.

B. Allgemeine Installationsbewilligung

Art. 13

Bewilligung für natürliche Personen

Natürliche Personen, die in eigener Verantwortung Installationsarbeiten ausführen, erhalten eine allgemeine Installationsbewilligung, wenn sie fachkundig sind und Gewähr bieten, dass sie die Vorschriften dieser Verordnung einhalten.

Art. 14[^4]

Fachkundigkeit

Fachkundig ist, wer über die fachliche Eignung nach Art. 9 der Gewerbeverordnung verfügt.

Art. 15

Bewilligung für Betriebe

Betriebe erhalten eine allgemeine Installationsbewilligung, wenn sie:

Art. 16

Temporäre Bewilligung

1) Scheidet die fachkundige Person (Art. 14) aus dem Betrieb aus, so muss eine neue fachkundige Person beschäftigt werden.

2) Kann der Betrieb vorübergehend keine fachkundige Person beschäftigen, so kann der Netzbetreiber auf Antrag eine temporäre allgemeine Installationsbewilligung erteilen. Diese wird erteilt, wenn der Betrieb einen Elektroprojektleiter Installation und Sicherheit beschäftigt.[^5]

3) Die temporäre Installationsbewilligung wird für maximal sechs Monate erteilt. Sie kann auf begründeten Antrag hin von der Regierung um höchstens weitere sechs Monate verlängert werden.

C. Eingeschränkte Installationsbewilligung

Art. 17

Arten

1) Das Starkstrominspektorat erteilt eingeschränkte Installationsbewilligungen für:

2) Eingeschränkte Bewilligungen nach Abs. 1 Bst. b und c können nicht kumuliert werden.

Art. 18

Bewilligung für innerbetriebliche Installationsarbeiten

1) Eine Bewilligung für innerbetriebliche Installationsarbeiten wird einem Betrieb erteilt, der zur Ausführung der Installationsarbeiten Betriebsangehörige (Betriebselektriker) einsetzt.

2) Betriebselektriker ist, wer:

3) Über die dem Elektroinstallationsgewerbe nahe stehenden Berufe und die Gleichwertigkeit der Ausbildung nach Abs. 2 Bst. b entscheidet das Amt für Volkswirtschaft.[^7]

4) Die Bewilligung berechtigt zu folgenden innerbetrieblichen Installationsarbeiten:

Art. 19

Bewilligung für Installationsarbeiten an besonderen Anlagen

1) Eine Bewilligung für Installationsarbeiten an Anlagen, deren Erstellung spezielle Kenntnisse erfordert (z.B. Aufzüge, Förderanlagen, Alarmanlagen, Leuchtschriften), wird einem Betrieb erteilt, der zur Ausführung der Arbeiten Betriebsangehörige einsetzt, welche:

2) Die Bewilligung berechtigt zu den darin aufgeführten Installationsarbeiten.

Art. 20

Bewilligung für den Anschluss von elektrischen Erzeugnissen

1) Die Bewilligung wird einem Betrieb erteilt, der zur Ausführung der Arbeiten Betriebsangehörige einsetzt, welche die Voraussetzungen als Betriebselektriker (Art. 18 Abs. 2) erfüllen.

2) Die Bewilligung berechtigt zum Anschliessen und Auswechseln von fest angeschlossenen elektrischen Erzeugnissen.

3) In besonderen Fällen kann das Starkstrominspektorat Anschlussbewilligungen für Betriebe erteilen, welche die Bewilligungsvoraussetzungen nicht in allen Teilen erfüllen. Die Bewilligungserteilung wird davon abhängig gemacht, dass die Betriebsangehörigen, die für die Arbeiten eingesetzt werden sollen, eine vom Starkstrominspektorat durchgeführte Prüfung bestehen.

Art. 21

Prüfungen

1) Das Starkstrominspektorat führt die Prüfungen durch, die zur Erlangung der eingeschränkten Installationsbewilligung erforderlich sind.

2) Die Regierung regelt die Einzelheiten.

D. Installationsarbeiten ohne Bewilligung

Art. 22

Installationsarbeiten ohne Bewilligung

1) Keine Installationsbewilligung benötigen fachkundige Personen nach Art. 14, Elektroprojektleiter Installation und Sicherheit, Montage-Elektriker sowie Betriebselektriker für Installationsarbeiten in von ihnen bewohnten oder in ihrem Eigentum stehenden Wohn- und zugehörigen Nebenräumen.[^8]

2) Keine Installationsbewilligungen benötigen Personen, die:

3) Elektrische Installationen nach Abs. 1 und 2 Bst. a müssen von einer fachkundigen Person nach Art. 14 oder einem Elektroprojektleiter Installation und Sicherheit kontrolliert werden. Die kontrollierende Person muss dem Eigentümer und dem Netzbetreiber eine Konformitätserklärung ausstellen.[^9]

III. Ausführung von Installationsarbeiten

Art. 23

Personaleinsatz

1) Inhaber von Installationsbewilligungen dürfen die Ausführung von Installationsarbeiten nur übertragen an:

2) Lernende oder Hilfskräfte dürfen Installationsarbeiten nur unter Anleitung und Aufsicht von fachkundigen Personen nach Art. 14, Elektroprojektleiter Installation und Sicherheit oder Personen nach Abs. 1 ausführen. Eine Person darf höchstens fünf Lernende oder Hilfskräfte beaufsichtigen.[^11]

Art. 24

Baubegleitende Erstprüfung und Schlusskontrolle

1) Vor Inbetriebnahme von Teilen oder ganzen elektrischen Installationen ist eine baubegleitende Erstprüfung durchzuführen.

2) Für Installationsarbeiten, die einer allgemeinen Installationsbewilligung bedürfen, gilt Folgendes:

Dieses Dokument ersetzt nicht die offizielle Publikation im Landesgesetzblatt. Seit dem 1. Januar 2013 ist gemäss Art. 8 des Kundmachungsgesetzes (LGBl 2012 Nr. 174) ausschliesslich die signierte elektronische Fassung des LGBl rechtsverbindlich. Für eventuelle Ungenauigkeiten bei der Übertragung in dieses Format wird keine Haftung übernommen.