Verordnung des Bundesministers für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten, mit welcher die Lehrpläne der Volksschule und der Sonderschulen erlassen werden; Bekanntmachung der Lehrpläne für den Religionsunterricht an diesen Schulen
Im Freizeitteil ist verstärkt auf individuelle Interessen und Begabungen der Schülerinnen und Schüler einzugehen und Erholungsphasen sind einzubauen. Freiräume zur selbstbestimmten Planung durch Schülerinnen und Schüler sind einzuplanen. Es sollen auch Anreize geboten werden, sich mit neuen Bereichen auseinanderzusetzen. Auch dem Bedürfnis nach Sich-Zurückziehen und Erholung sowie Bewegung im Freien ist ausreichend Raum zu geben. Projekte können unter Wahrung der Zeiteinheiten übergreifend in Lern- und Freizeit organisiert werden.
Die Schülerinnen und Schüler sollen zu einem sinnvollen Freizeitverhalten geführt werden, indem sie Einstellungen, Kompetenzen und Fähigkeiten erwerben, die über die Schulzeit hinaus positive Wirkung haben.
Das Angebot unterschiedlicher Aktivitäten ist unter Einbeziehung und Mitgestaltung der Schülerinnen und Schüler zu erstellen. Es sollten, sofern es die Rahmenbedingungen zulassen, Wahlmöglichkeiten geboten werden, um bedürfnisorientierte Entscheidungen zu ermöglichen.
Teil der Freizeit ist das Mittagessen mit einem altersgerechten Speisenangebot und einem abwechslungsreichen Speiseplan. Durch richtige Ernährung wird ein wichtiger Beitrag zur körperlichen Gesundheit geleistet. Aspekte der Ernährungspädagogik sind dabei zu berücksichtigen.
An ganztägigen Schulformen hat die Angebotspalette insbesondere folgende Bereiche zu berücksichtigen:
– Physische Fitness durch ausreichende Bewegung, um Bewegungsmangel auszugleichen und die motorische Entwicklung zu unterstützen; insbesondere an jenen Tagen, an denen im Stundenplan kein Unterricht in „Bewegung und Sport“ vorgesehen ist, sind die Angebote im Bereich der Freizeit nach Möglichkeit so zu setzen, dass eine Bewegungseinheit angeboten wird. Dafür sind geeignete und zur Verfügung stehende Außen- und Innenbereiche einzubeziehen.
– Schulische Kulturarbeit zur Entfaltung von Kreativität und sozialen Kompetenzen: Theater, Instrumentalmusik, Chor, Tanz, Spielpädagogik, Medienpädagogik, Erlebnispädagogik, kreatives Gestalten, Werken, Malen, Zeichnen usw.
– Soziales Lernen: Entwicklung von Kontaktfähigkeit, Toleranz, Konfliktmanagement, Interreligiosität usw. als Beiträge zu Inklusion, Friedenserziehung, Gewaltprävention, politischer Bildung uä. Peer-Mediation kann in das Angebot integriert werden.
– Lesen: Die Kulturtechnik „Lesen“ ist durch eine positive Lesekultur und Leseatmosphäre, ein altersadäquates Literaturangebot und Bibliotheksnutzung zu fördern.
– Persönlichkeitsbildung: Stärkung von Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl, Stärkung des Selbstkonzepts, eigene Stärken und Schwächen erkennen, Umgang mit Gefühlen usw.
– Geschlechterbewusste Pädagogik: Unterschiedliche Rollen und Verhaltensweisen von Männern und Frauen in unserer Gesellschaft einbeziehen und reflektieren; Stereotypen begegnen und mit entsprechenden Angeboten entgegenwirken.
– Freizeitverhalten: Ohne Leistungs- und Konkurrenzdruck zu einem sinnvollen Freizeitverhalten führen (zB spielerische und sportliche Aktivitäten, Umgang mit den Medien und Social Media, Lesen).
– Erholung: Für die Schülerinnen und Schüler sind Freiräume (in den Außen- und Innenbereichen) und Erholungsphasen zur selbstständigen Ausgestaltung vorzusehen.
Unterrichtserteilung nach dem Lehrplan der Volksschule, der Hauptschule, der Neuen Mittelschule oder der Polytechnischen Schule
Schülerinnen und Schüler der Sonderschule für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf können in jenen Unterrichtsgegenständen nach dem Lehrplan der Allgemeinen Sonderschule, der Volksschule, der Hauptschule, der Neuen Mittelschule oder der Polytechnischen Schule unterrichtet werden, in denen ohne Überforderung die Erreichung des Lernzieles erwartet werden kann. Damit soll der Auftrag, eine bestmögliche Förderung der einzelnen Schülerin und des einzelnen Schülers zu erreichen, auch lehrplanmäßig berücksichtigt werden können.
ZWEITER TEIL
ALLGEMEINES BILDUNGSZIEL
Die in den §§ 2 und 22 des Schulorganisationsgesetzes festgelegten Aufgaben haben grundsätzlich auch für die Erziehung und den Unterricht von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf Gültigkeit.
Die Sonderschule hat den Auftrag, den Schülerinnen und Schülern mit besonderen Erziehungs- und Lernbedürfnissen vor allem schülerorientierte Eingliederungshilfen in menschliche Gemeinschaften zu geben und sie zu persönlicher Lebenserfülltheit zu führen.
Ziele und Inhalte resultieren nicht primär aus den herkömmlichen Erwartungen gegenüber der Institution Schule, sondern aus der vorgegebenen Ausgangslage und aus den individuellen Ansprüchen, persönlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten der einzelnen Schüler.
Es sind alle erdenklichen Anstrengungen zu unternehmen, um Neigungen der Schüler aufzuspüren, individuelle Stärken und Begabungen zu entfalten sowie Möglichkeiten zu schaffen, schöpferisch an unserer Kultur teilzuhaben.
Bei Kindern mit erhöhtem Förderbedarf steht das Lernziel „Leben” im Sinne einer möglichst umfassenden Lebensbewältigung im Vordergrund.
Der Verwirklichung dienen:
– die Erhöhung der Selbständigkeit im Alltag
– die Schulung von Motorik und Wahrnehmung
– die Förderung aller Kommunikationsformen und der sozialen Kontaktfähigkeit zur Teilhabe an der Um- und Mitwelt
– der Aufbau von Vertrauen zu sich selbst und in andere
– die Vermittlung einer bejahenden Lebenseinstellung in einer Atmosphäre der Anerkennung und Geborgenheit
– die Weckung der Kreativität
– das Erfassen, Ordnen und Strukturieren von wichtigen Sinnzusammenhängen
– die Erziehung zu positiven Arbeitshaltungen
– die Teilnahme an kulturell bedeutsamen Lebenssituationen
– die Steigerung von Werterleben und Lebensqualität
– Hilfen zur persönlichen Entfaltung und Lebensbewältigung
– Hemmen, Abbauen oder Steuern von Symptomen vorliegender Beeinträchtigungen.
Dieser Ansatz erfordert, daß sich sonderpädagogisch fundierte Bildung auch außerhalb des eng begrenzten Lernortes Schule vollziehen kann.
DRITTER TEIL
ALLGEMEINE DIDAKTISCHE GRUNDSÄTZE
Der didaktische Ansatz
Lebensunmittelbare Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler, das sind präzisierte Lernprozesse durch das Hereinnehmen von Lebenssituationen in den Unterricht oder durch das Hinausführen der Kinder und Jugendlichen in das Alltagsleben, sind von großer Bedeutung. Lebensunmittelbares Lernen außerhalb des Schulbereiches fördert darüber hinaus sozial-integrative Bemühungen. Nur dann, wenn Schülerinnen und Schülern der Zugang zu ihrer realen Umwelt versperrt ist, soll die Auseinandersetzung mit der Lebenswirklichkeit in zeitlicher und räumlicher Distanz als veranschaulichendes Lernen erfolgen.
Die Erziehungs- und Bildungsziele des Lehrplanes sind als offenes Curriculum zu verstehen. Ein von den zwischenmenschlichen Beziehungen abhängiges Lernen kann in lebensbedeutsamen Handlungsfeldern methodisch-didaktisch nicht bis ins letzte geplant und beschrieben werden.
Beim Lernen, Üben und Anwenden von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen sollen die Schüler immer ganzheitlich angesprochen werden. Daher ist eine traditionelle Fächeraufteilung der Lernbereiche nicht sinnvoll. Die Vermeidung einer strengen Fächeraufteilung bedeutet nicht den völligen Verzicht auf funktionsorientierte Lern- oder/und Therapieprogramme. Bei Schülerinnen und Schülern auf fortgeschrittenen Entwicklungsstufen oder in höherem Alter wird die Fächerorientierung im Unterricht deutlicher einfließen.
Aufbauend auf und im Gleichklang mit einer permanenten sonderpädagogischen Förderdiagnostik kommt im Sinne einer Grundlegung der weiteren Lernfähigkeit der basalen Förderung zentrale Bedeutung zu.
Sie gehört nicht allein in den Bereich einer funktionsorientierten Therapie, sondern muß vielmehr als durchgängiges Ziel in allen Lernbereichen des Schulalltags berücksichtigt werden. Die weitere Gewichtung liegt auf handlungsorientierten Unterrichtszielen als Einheit von Wahrnehmen, Bewegen, Sprache, Fühlen und Denken. Dabei bedarf es durchwegs spezieller Lernhilfen und möglichst lebensnaher Veranschaulichung. Durch besondere Sozial- und Handlungsformen können die Schüler die Fähigkeit erwerben, in der Gruppe allein zu lernen und mit anderen kooperativ zu arbeiten.
Die in den Mittelpunkt zu stellenden lebensbedeutsamen Handlungsfelder ergeben sich einerseits aus jahreszeitlich bedingten Anlässen, andererseits aus den sorgsam auszuwählenden Erziehungs- und Bildungszielen.
Die Bedeutung der sonderpädagogischen Förderdiagnostik
Eine differenzierte Förderdiagnostik über mögliche Ursachen, Art und Ausmaß vorhandener Beeinträchtigungen mit Hilfe entsprechender Methoden (anamnestische Erhebungen, permanente Verhaltensbeobachtung, fachliche Befragungen, gelegentliche Verwendung von Checklisten und Testverfahren ...) bildet die Grundlage aller Bemühungen um Erziehung und Unterricht. Förderdiagnostik impliziert nicht nur das Feststellen des „Ist-Standes” der betreffenden Schüler, sondern ebenso den Aspekt der Förderung. Dies bedeutet, daß Analyse und Erfassung bestehender Entwicklungs- und Lernvoraussetzungen immer wieder Ausgangspunkte neu zu adaptierender sonderpädagogischer Strategien sein müssen. Mit Hilfe der Förderdiagnostik soll der Sonderschullehrer ein tieferes Verständnis für Ansatzpunkte zur Verbesserung des Lern-, Leistungs- und Sozialverhaltens der Schüler erhalten. Die Berücksichtigung ihrer Mitwelt und die notwendige Änderung gegebener Bedingungen sind der Entwicklungsförderung zugrundezulegen.
Hat sich die prozeßhaft zu gestaltende Förderdiagnostik samt den daraus resultierenden Forderungen primär an den Bedürfnissen der Schüler zu orientieren, so müssen gleichermaßen die schulischen und außerschulischen Gegebenheiten den bestehenden Erfordernissen angepaßt werden.
Die vorbehaltlose Zusammenarbeit aller mit den Schülerinnen und Schülern befaßten Personen und Institutionen ist eine wesentliche Voraussetzung der sonderpädagogischen Förderdiagnostik.
Unterrichtsplanung und Lernkontrolle für die einzelnen Schülerinnen und Schüler und die Lerngruppe
Die inhaltliche und zeitliche Planung des Erziehungs- und Lernangebotes setzt eine größtmögliche Zusammenarbeit im Lehrerkollegium voraus. Markante Orientierungspunkte in der mittel- und längerfristigen Planung innerhalb eines Schuljahres bilden Jahreszeiten, Feste im Jahreskreis und besondere schulische Aktivitäten, Schulfeste und Schulveranstaltungen. Namentlich mehrtägige Schulveranstaltungen tragen wesentlich zur Festigung und Erweiterung der in der Schule angebahnten Lebenspraxis und Selbstversorgung bei. Deutlich gegliederte Tages- und Wochenabläufe sowie der ausreichende Ausbau wiederkehrender Aktivitäten sind dabei neben der Wahrnehmung günstiger Möglichkeiten zum Gelegenheitsunterricht, dem Projektunterricht und zur spontanen Abdeckung spezieller Förder- und Lernbedürfnisse zu berücksichtigen. Manche Lerninhalte können sich auch über mehrere Wochen hinziehen.
Die Möglichkeit vielseitiger Kooperationen mit schulischen aber auch außerschulischen Personen und Einrichtungen müssen partnerschaftlich gesucht und genützt werden.
Alle Erziehungs- und Förderpläne sind stets im Kontext mit den Erfahrungs- und Lernbereichen einschließlich der Lerninhalte der einzelnen Gegenstände zu erstellen und sind mit den längerfristigen Planungen unter den bereits erwähnten Gesichtspunkten in Einklang zu bringen.
Die Tages- bzw. Themenvorbereitungen für die Lerngruppe bzw. für die einzelnen Schüler, sollen in kurzer prägnanter Form schriftlich festgehalten werden.
Die Unterrichtszeit ist nach diesen ziel- und inhaltsorientierten Vorstellungen und entsprechend der psycho-physischen Belastbarkeit, aber auch unter Berücksichtigung der Motivations- und Konzentrationsfähigkeit der Schüler zu strukturieren und zu gewichten.
Die wesentlichen Erziehungs- und Lernabsichten bauen auf der Grundlage eines pädagogischen Beobachtungssystems auf und sind im Anschluß an jeden Unterrichtsabschnitt durch eine pädagogisch ausgerichtete Lernkontrolle und kritische Nachbereitung über das Ergebnis der vorangegangenen Bildungsbemühungen zu evaluieren.
Grundprinzipien des Unterrichts
Für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf sind die gleichen anthropologischen Grundbedingungen zutreffend wie bei allen anderen Kindern. Sie entwickeln sich, sie sammeln Erfahrungen, sie brauchen personale Beziehungen, sie suchen nach Befriedigung physiologischer Bedürfnisse, sie sind auf Hilfe angewiesen und sie gestalten die sozialen Beziehungen mit. Deshalb dürfen sie nicht als Kinder bzw. Jugendliche angesehen werden, die lediglich auf ein Behandelt-Werden reagieren, sondern die aktiv in die Interaktion eingreifen.
Der Unterricht hat besonders von folgenden Grundprinzipien auszugehen:
Existentielle Bedürfnisse sichern
Alles, was Kinder und Jugendliche als schön und angenehm, alles, was sie als befriedigend empfinden, darf auch bei Kindern mit erhöhtem Förderbedarf als wünschenswert angesehen werden.
Basale Lernprozesse anregen
Auf der Basis interpersonaler Beziehungen geht es bei der Förderung um das In-Bewegung-Setzen des Lernens überhaupt.
Lebensfähigkeiten vermitteln
Um Kindern mit erhöhtem Förderbedarf Selbständigkeit zumindest in Ansätzen zu vermitteln und sie unabhängiger zu machen, bedarf es der Sicherung von Lebensfähigkeiten, der Vermittlung von Lebensfertigkeiten und des Erlernens von Alltagstechniken.
Erfahrungen ermöglichen
Die Schülerinnen und Schüler haben eine mehrjährige Lebensgeschichte hinter sich. Sie haben Kompetenzen sowie kommunikative und ihre Existenz sichernde Verhaltensweisen entwickelt, die es zu erkennen und nutzen gilt. Die Schule muß versuchen, den Schülerinnen und Schülern vielfältige Erfahrungen zu ermöglichen.
Förderung der individuellen Persönlichkeitsentfaltung
Durch das Eingehen auf die Individualität der einzelnen Schülerinnen und Schüler können, gezielt vom persönlichen Entwicklungsstandpunkt ausgehend, individuelle Lernziele gefestigt werden. Phasen, in denen die ganze Gruppe unterrichtet wird, wechseln mit Einzelarbeit ab. Die Schülerinnen und Schüler können zusammen mit dem Lehrer die individuellen Bedingungen finden, mit deren Hilfe sie sich am besten Wissen, Können, Werte und Identität aneignen können.
Ziel des Unterrichtes muß es auch sein, den Schülerinnen und Schülern zur psychischen Stabilität zu verhelfen, falls diese gefährdet ist.
Lebensbedeutsamkeit
Ausgehend von der basalen Förderung, der im Sinne einer Grundlegung der Lernfähigkeit zentrale Bedeutung zukommt, bis hin zu den verschiedenen Unterrichtsgegenständen ist es notwendig, daß das „Leben lernen” in den für die Schüler bedeutsamen Lebenssituationen im Schulalltag aufgebaut wird und nicht in den Bereich einer funktionsorientierten Therapie gehört. In anschaulichen, lebensunmittelbaren Realsituationen soll die Basis für das „Leben lernen” geschaffen werden. Um die Schüler zu Selbständigkeit und Selbstversorgung zu führen, ist es notwendig, den Unterricht nicht nur im Schulgebäude abzuhalten, sondern Lernsituationen im Alltag aufzusuchen und zu schaffen.
Ganzheitlichkeit
Durch die Vermeidung der traditionellen Fächergliederung des Unterrichts werden die Schüler ganzheitlich angesprochen. Das heißt, daß das Erlernen und Üben einzelner Fertigkeiten und Fähigkeiten in Lernbereichen erfolgen soll, die mit dem Leben der Schüler in einem konkreten Zusammenhang stehen. Ein ganzheitlicher Unterricht bietet den Schülerinnen und Schülern Gelegenheit, in größeren Rahmen-, Erlebnis- und Handlungseinheiten zu lernen. Eine diesem Grundsatz entsprechende didaktisch-methodische Form kann der projektorientierte Unterricht bieten. Der Verzicht auf eine strenge Fächeraufteilung ist jedoch nicht mit einem generellen Verzicht auf Training oder funktionsorientierte Programme verbunden. Diese sollen gezielt gebraucht, aber nicht zum didaktisch-methodischen Prinzip erhoben werden.
Multisensorische Erfahrungen
Multisensorische Wahrnehmung umfaßt die Fähigkeit, Reize aus der Umwelt bzw. aus dem Organismus aufzunehmen und zu verarbeiten. Multisensorischer Unterricht hat die Ganzheitlichkeit und das Schöpferische zum Ziel, akzeptiert die Welt der Kinder und Jugendlichen und bereichert sie kontinuierlich. Durch bewußte Aktivierung aller Sinne und ihren Einsatz, verknüpft mit den Erfahrungen und Kenntnissen konkreten Handelns werden Lernprozesse unterstützt und Denkprozesse eingeleitet.
Soziale Erziehung
Das Miteinander ist ein zentrales pädagogisches Prinzip. Die Interaktionen und kommunikativen Beziehungen im Rahmen von Unterricht und Schulleben sollen es den einzelnen Schülerinnen und Schülern ermöglichen, ihre Persönlichkeit zu entfalten, soziale Erfahrungen zu sammeln, Selbstwertgefühl aufzubauen und Identität zu gewinnen.
Alle Schülerinnen und Schüler sollten nach Möglichkeit alle Schuljahre innerhalb eines Klassenverbandes verbleiben, weil dem Verbleib in einer sozialen Gruppe der Verzug gegenüber einer leistungsbezogenen Klassenzuordnung zu geben ist.
Der Grundsatz des Miteinander soll durch ein von Verständnis und Solidarität geprägtes Zusammenwirken aller Mitarbeiter verwirklicht werden. Die soziale und emotionale Atmosphäre ist gerade für das Lernen von großer Bedeutung. Ausstattung und Gestaltung des Klassenzimmers und der Schule sollen deshalb emotional ansprechend sein und es den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, sich wohlzufühlen.
Selbsttätigkeit
Der Unterricht soll den Schülerinnen und Schülern möglichst oft die Gelegenheit bieten, durch selbsttätiges Handeln Erfahrungen zu sammeln. Selbstgestaltung ist ein wesentliches Moment menschlichen Handelns und menschlichen Werdens. Nur wenn die Lehrkraft die Selbstgestaltung der Schüler wahrnimmt und achtet, begegnet sie ihnen. Nur in einer solchen Begegnung können Lern- und Erziehungsziele dialogisch entwickelt werden.
Methodenvielfalt
Beim Einsatz vielfältiger Methoden sollen folgende Grundprinzipien Beachtung finden:
– Rhythmische Arbeitsweise
Rhythmus ist eine geordnete Folge von Spannung und Entspannung, von Ruhe und Bewegung, im Bereich der Sprache eine Folge des Wechsels der Tonhöhe, der Intensität und der Zeitdauer. Rhythmische Arbeitsweise, wie sie hier verstanden wird, durchdringt die zeitlichen, örtlichen, materialen, personalen und kommunikativen Aspekte eines Schul-Lern-Tages. Die geordnete Reihenfolge ist notwendig, aber auf ungleich lange Werte ist Rücksicht zu nehmen. Ruhe, Pause und Unterbrechung sind von großer Bedeutung.
– Kontaktnahme/Interaktion
Beim Prinzip der Kontaktnahme geht es um die Schaffung vom Möglichkeiten des Zusammenlebens, der Anbahnung, Herstellung und Wahrnehmung kooperativer (interaktiver und kommunikativer) Prozesse in der gemeinsamen Tätigkeit der Schülerinnen und Schüler.
– Prinzip der Beachtung und Ertüchtigung von Wahrnehmung und Sensumotorik
Der Aspekt der Sensumotorik richtet sich schwerpunktmäßig auf die Entwicklung einzelner Sinnesgebiete, die Verknüpfung spezifischer Sinnesmodalitäten und die Herausbildung von psychischen Strukturen, welche die Sinnesmodalitäten zielgerecht und bewusst steuern.Das Prinzip der Wahrnehmungsertüchtigung versteht sich als ganzheitliches Vorgehen, wobei funktionelle Wahrnehmungsertüchtigung als spezielles Lernziel nicht ausgeschlossen werden soll.
– Prinzip der Beachtung und Förderung von Motorik/Psychomotorik
Psychomotorik als methodisches Prinzip beruht auf dem Grundgedanken des „handelnden Lernens durch Bewegung”, das heißt, daß die individuelle Bewegungsfähigkeit und die Koordination der Bewegungsabläufe die Entwicklung der Handlungskompetenz eines Menschen wesentlich beeinflussen.
Die Förderung im basalen Bereich der Motorik ist eine unentbehrliche Voraussetzung für weiteres Lernen in allen Persönlichkeitsbereichen. In der Entwicklung eines Körperbewußtseins und der Normalisierung der körperlichen Sensibilität werden wichtige Grundlagen für die Förderung motorischer Fähigkeiten und damit Bedingungen für die Entwicklung kognitiver und sozialer Anlagen der Schüler gesehen. Insbesondere wird auf die Förderbereiche Körpererfahrung, Feinmotorik, Grobmotorik und Mundmotorik hingewiesen. Diese Bereiche treten in der Entwicklung gleichzeitig in Erscheinung, sie müssen deshalb auch im Rahmen schulischer Maßnahmen parallel gesehen werden. Der Grundsatz des ganzheitlichen Lernens gilt deshalb besonders auch im Bereich der Psychomotorik/Motorik.
– Sprache/Kommunikation
Beim Prinzip der Kommunikation geht es um den Aufbau individuell adäquater Kommunikationssysteme zur symbolischen Erschließung und Strukturierung der Umwelt (zB: gestische und mimische Zeichen, Gebärden usw. bis zur Lautsprache).
Selbst für Schüler ohne Sprachverständnis hat Sprache einen Sinn, da sie Zuwachs an Leben bedeutet und Vertrauen weckt. Sprache steht aber nicht nur im Dienste der zwischenmenschlichen Kommunikation, sondern auch des Denkens. Denken kann auch als innerliches Sprechen, als Sprachhandeln betrachtet werden. Außerdem kann Sprache auf das Handeln eine regulierende Wirkung ausüben.
Dies erfordert einen Unterricht, der sinnliches Wahrnehmen, Handeln und Sprechen miteinander zu verknüpfen versucht.
– Übung
Ein wesentliches Prinzip ist es, angebahnte Fähigkeiten durch wiederholte und variationsreiche Übungen zu festigen und sie für neue Situationen verfügbar zu machen. Der Unterricht muß deshalb immer wieder Gelegenheiten für die Schüler nutzen bzw. schaffen, in denen sie Ähnlichkeiten erfassen, verallgemeinern und Übertragungen vornehmen können. Neue Lerngegenstände und Situationen, auf die Übertragungen stattfinden sollen, müssen für die Schüler überschaubar sein und als ähnlich erfaßt werden können.
Eine Planung, die ein wiederholtes, aber sich ausweitendes Erfahren derselben Situation und derselben Gegenstände im Laufe des Schullebens gewährleistet, schafft günstige Voraussetzungen für Übung und Übertragung.
VIERTER TEIL
Gesamtstundenanzahl und Stundenausmaß der Pflichtgegenstände und der unverbindlichen Übungen
(Stundentafel)
Ermächtigung für schulautonome Lehrplanbestimmungen:
| PFLICHTGEGENSTÄNDE | Eingangsstufe | Kernstufe | Übergangsstufe | Summe | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | 2. | 3. | 4. | 5. | 6. | 7. | 8. | 9. | ||
| Religion | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 18 |
| Gesamtunterricht (grundlegender Unterricht in lebensbedeutsamen Handlungsfeldern) | 17 | 17 | 18 | 18 | 15 | 15 | 15 | 11 | 11 | 137 |
| Werkerziehung / Ernährung und Haushalt*) | – | – | 2 | 2 | – | – | – | – | – | 4 |
| Werkerziehung | – | – | – | – | 4 | 4 | 4 | 7 | 7 | 26 |
| Ernährung und Haushalt | – | – | – | – | 2 | 2 | 2 | 4 | 4 | 14 |
| Bewegungserziehung | 3 | 3 | 3 | 3 | 3 | 3 | 3 | 3 | 3 | 27 |
| Gesamtwochenstundenzahl | 22 | 22 | 25 | 25 | 26 | 26 | 26 | 27 | 27 | 226 |
| UNVERBINDLICHE ÜBUNGEN | ||||||||||
| Erweiterter Unterricht in den Kulturtechniken (Sprache-Lesen-Schreiben, Mathematik) | – | – | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 14 |
| Vorbereitung auf die Arbeits- und Berufswelt | – | – | – | – | – | – | – | 3 | 3 | 6 |
| Musikalisch-rhythmische und Ästhetisch-bildnerische Erziehung | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 18 |
| Freizeiterziehung | – | – | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 14 |
| Ergänzende Bewegungserziehung | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 18 |
| Ergänzende therapeutische Angebote | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 18 |
| Darstellendes Spiel | – | – | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 14 |
*) Siehe Punkt 3 der Bemerkungen zur Stundentafel
x2 bis zu 80 Jahreswochenstunden
Soweit keine schulautonomen Lehrplanbestimmungen bestehen:
| PFLICHTGEGENSTÄNDE | Eingangsstufe | Kernstufe | Übergangsstufe | Summe | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | 2. | 3. | 4. | 5. | 6. | 7. | 8. | 9. | ||
| Religion | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 18 |
| Gesamtunterricht (grundlegender Unterricht in lebensbedeutsamen Handlungsfeldern) | 11–17 | 11–17 | 12–19 | 12–19 | 10–17 | 10–17 | 10–17 | 8–15 | 8–15 | 83–111 |
| Werkerziehung / Ernährung und Haushalt | 0–4 | 0–4 | 3–6 | 3–6 | – | – | – | – | – | 6–20 |
| Werkerziehung | – | – | – | – | 3–6 | 3–6 | 3–6 | 4–10 | 4–10 | 23–58 |
| Ernährung und Haushalt | – | – | – | – | 2–4 | 2–4 | 2–4 | 4–6 | 4–6 | 14–24 |
| Bewegungserziehung | 2–4 | 2–4 | 2–4 | 2–4 | 2–4 | 2–4 | 2–4 | 2–4 | 2–4 | 18–36 |
| Gesamtwochenstundenzahl | 21–22 | 21–22 | 24–27 | 24–27 | 25–27 | 25–27 | 25–27 | 26–28 | 26–28 | 226 |
| UNVERBINDLICHE ÜBUNGEN | ||||||||||
| Erweiterter Unterricht in den Kulturtechniken (Sprache-Lesen-Schreiben, Mathematik) | – | – | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 |
| Vorbereitung auf die Arbeits- und Berufswelt | – | – | – | – | – | – | – | x2 | x2 | x2 |
| Musikalisch-rhythmische und Ästhetisch-bildnerische Erziehung | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 |
| Freizeiterziehung | – | – | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 |
| Ergänzende Bewegungserziehung | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 |
| Ergänzende therapeutische Angebote | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 |
| Darstellendes Spiel | – | – | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 | x2 |
Stundentafel der Deutschförderklassen
| PFLICHTGEGENSTÄNDE | Schulstufen und Wochenstunden | |
|---|---|---|
| 1. bis 4. | ab 5. | |
| Deutsch in der Deutschförderklasse | 15 | 20 |
| Religion | 2 | 2 |
| Weitere Pflichtgegenstände1 | x2 | x2 |
| Gesamtwochenstundenzahl | x3 | x3 |
1 Einzelne oder mehrere Pflichtgegenstände gemäß der Stundentafel der Sonderschule für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf; die Festlegung der weiteren Pflichtgegenstände und der verbindlichen Übungen sowie der Anzahl der Wochenstunden, die auf die einzelnen Pflichtgegenstände und verbindlichen Übungen entfallen, erfolgt durch die Schulleitung.
2 Die Anzahl der Wochenstunden ergibt sich aus der Differenz zur Gesamtwochenstundenzahl.
3 Die Gesamtwochenstundenzahl entspricht jener der jeweiligen Schulstufe gemäß der Stundentafel der Sonderschule für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf.
UNVERBINDLICHE ÜBUNGEN
Siehe Z 1 und Z 2
Bemerkungen zur Stundentafel
Die Stundentafelgliederung nach den Hauptstufen (Eingangs-, Kern- und Übergangsstufe) dient der Offenlegung der zur Verfügung stehenden Lernzeit. Das Gesamtkonzept des Lehrplanes sieht keine für alle Schüler in gleicher Weise verbindlichen Lernziele oder nach Schwierigkeit aufbauende Schulstufen vor.
Die Heraushebung einzelner Gegenstände aus dem Gesamtunterricht erfolgt aus organisatorischen und planerischen Überlegungen hinsichtlich der Verwendung von besonderen Unterrichtsräumen und eines besonderen Lehrereinsatzes.
Die Pflichtgegenstände Werkerziehung und Ernährung und Haushalt können in der Eingangsstufe und in den beiden ersten Jahren der Kernstufe gemeinsam geführt werden. Der vorgesehene Stundenrahmen gilt daher für beide Gegenstände.
Der Gesamtunterricht als grundlegender Unterricht in lebensbedeutsamen Handlungsfeldern umfaßt neben dem Sachunterricht auch den Unterricht in den Kulturtechniken sowie die Musikalischrhythmische und Ästhetisch-bildnerische Erziehung.
Die unverbindlichen Übungen verstehen sich als ergänzende und erweiternde Angebote zum grundlegenden Unterricht. Ihre Gestaltung hat sich daher auch am Gesamtunterricht zu orientieren.
FÜNFTER TEIL
LEHRPLÄNE FÜR DEN RELIGIONSUNTERRICHT
Katholischer Religionsunterricht:
Siehe die Bekanntmachung BGBl. II Nr. 197/2017.
Evangelischer Religionsunterricht
Wie Anlage C1.
Altkatholischer Religionsunterricht
Für die Erteilung des Religionsunterrichtes an den Sonderschulen sind mit Bedachtnahme auf die gegebenen Voraussetzungen die Bildungs- und Lehraufgaben der Lehrpläne für die entsprechende Volksschulstufe (Anlage A) in Anwendung zu bringen.
SECHSTER TEIL
BILDUNGS- UND LEHRAUFGABEN, DIDAKTISCHE GRUNDSÄTZE SOWIE LEHRSTOFFE (LERNINHALTE/LERNZIELE) FÜR DIE PFLICHTGEGENSTÄNDE
GESAMTUNTERRICHT (grundlegender Unterricht in lebensbedeutsamen Handlungsfeldern)
1.1. Strukturgitter 1: Erfahren, Erleben und Entfalten der eigenen Person – Aufbau eines Lebenszutrauens
Bildungs- und Lehraufgabe:
Der eigene Körper ist das erste Erlebnis- und Lernfeld in der menschlichen Entwicklung. Durch körperliche Nähe und körpernahe Angebote lernt ein Mensch Kontakte zu seiner Umwelt aufzubauen, Informationen zu übernehmen und sich somit in seinem Erleben zu bereichern.
Je umfassender Schülerinnen und Schüler diese Lernprozesse vollziehen, desto differenzierter wird ihre Ich- und Persönlichkeitsentwicklung und damit der Aufbau ihres Lebenszutrauens gelingen. Dies wiederum ist Voraussetzung für eine den jeweiligen Fähigkeiten entsprechende Selbstverwirklichung.
Didaktische Grundsätze:
– Die Befriedigung der Bedürfnisse nach Nahrungsaufnahme, nach Körperkontakt und emotionaler Zuwendung muß als kommunikatives Geschehen begriffen und im gesamten Tagesablauf geleistet werden.
– Zeit besteht oft noch nicht im Bewußtsein der Schüler, sondern geht aus der Abfolge ihrer Handlungen hervor. Durch die zeitliche Strukturierung des Tagesablaufes soll dieser für die Schüler überschaubar werden sowie ihre Neugierde und Erwartung wecken. Die Schüler müssen schrittweise an eine selbständige Einteilung von verschiedenen Aufgaben herangeführt werden. Durch die Erfahrung von gebundenen und ungebundenen Zeiten soll das Bewußtsein für Freizeit entwickelt werden.
– Für die Entwicklung des Selbstkonzeptes stellt die Entwicklung eines Körperkonzeptes eine bedeutsame Stufe dar. Der Unterricht muß den Schülerinnen und Schülern vielfältige Möglichkeiten bieten, damit sie die Fähigkeiten ihres Körpers kennen- und akzeptieren lernen.
– Unterschiedlichste Materialien beinhalten wesentliche Informationen, regen zu Kreativität und Aktivität an und vermitteln Einsichten und Erfahrungen. Das Angebot und die Auswahl der Materialien soll so erfolgen, daß Neugier und Spielmotivation der Schüler angeregt werden.
– Räumliche Orientierungsfähigkeit wird in einem länger dauernden Entwicklungsprozeß erworben und dient der Verbesserung der Handlungsfähigkeit der Schüler. Sie lernen den Raum für sich zu strukturieren und zu einem sachgerechten Raumverhalten zu gelangen. Durch die Weiterentwicklung elementarer Wahrnehmungsleistungen (Sehen, Hören, Tasten, Fühlen, Raum-Lage-Wahrnehmung) soll es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht werden, ihr räumliches Umfeld zu erweitern, zu erforschen und für sich zu nutzen.
– Sexualerziehung ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesamterziehung. Da die Schülerinnen und Schüler hinsichtlich ihrer sexuellen Entwicklung in der Regel auf sehr unterschiedlichen Stufen stehen, muß im Einzelfall entschieden werden, welche Angebote einzelne Schüler brauchen.
– Als präventive Maßnahme gegen sexuellen Mißbrauch an Kindern und Jugendlichen sollen die Schülerinnen und Schüler in einer für sie verständlichen Weise darauf hingewiesen werden, was unter Mißbrauch zu verstehen ist und wie sie sich schützen und wehren können. Die sieben Prinzipien der präventiven Arbeit sollen den Kindern in spielerischer Weise nahegebracht werden.
– Das Schulleben muß eine breite Palette an Interaktionen ermöglichen und soll so gestaltet werden, daß Beziehungen zwischen den Schülerinnen und Schülern entstehen und gepflegt werden, da gerade oft Kinder mit erhöhtem Förderbedarf wenig Möglichkeit zur Kontaktaufnahme finden.
Handlungsfelder
| Strukturgitter 1: Erfahren, Erleben und Entfalten der eigenen Person – Aufbau eines Lebenszutrauens | ||||
|---|---|---|---|---|
| sinnlich-aufnehmend | handelnd-personalaktional | darstellend-bildlich-symbolisch | begrifflich-abstrakt | |
| sozialer Aspekt | – Umsorgt werden (gefüttert, gewickelt, gewaschen ...) – Kommunizieren | – An Aktivitäten und Spielen mit Mitschülerinnen und Mitschülern teilnehmen und sie mitgestalten | – Sich nach den Regeln einer sozialen Gemeinschaft richten und diese mitgestalten | – Verantwortung in einer Gemeinschaft übernehmen – Kontakte aufnehmen und pflegen – Konflikte bewältigen können |
| personalerAspekt | – Abgrenzung zwischen Körper und Umwelt erfahren – Körperliche Beeinflussung spüren | – Die eigenen Fähigkeiten und die Fähigkeiten seines Körpers kennenlernen – Seinen Körper selbst pflegen können – Sich an- und ausziehen lernen | – Sich seiner Gefühle, Stimmungen, Wünsche und Ängste bewußt werden und diese äußern | – Sich als Frau/Mann erleben – Mit seiner Behinderung leben können – Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der eigenen Gesundheit treffen |
| funktionaler Aspekt | – Verschiedene Materialien und Einflüsse auf und mit dem Körper spüren | – Verschiedene Materialien kennenlernen und mit ihnen umgehen – Mit verschiedenen Objekten spielen | – Objekte seinem Interesse gemäß einsetzen | – Entsprechende Maßnahmen setzen, um das eigene Wohlbefinden und psychische Integrität zu erlangen bzw. aufrechtzuerhalten |
| zeitlicher Aspekt | – Phasen von Ruhe, Entspannung und Aktivität bewußt erfahren | – Sich im Tagesablauf zu- rechtfinden und diesen mitgestalten | – Wachstums- und Reifungserscheinungen des Körpers feststellen und sich darauf einstellen | – Seine Zeit sinnvoll einteilen und gestalten – Seine Lebensgeschichte kennen |
| räumlicher Aspekt | – Raumlageveränderungen desKörpers erleben | – Sich im Raum bewegen und orientieren – Erfahrung mit Räumen sammeln | – Die Wirkung des Körpers im Raum abschätzen lernen – Sein personales Umfeld erweitern | – Seine persönliche Umgebung gestalten und sie als angenehm erleben |
1.2. Strukturgitter 2: Erfahren, Erleben und Auseinandersetzung mit der Gemeinschaft
Bildungs- und Lehraufgabe:
Soziale Bezüge sind für die Existenz jedes Menschen eine elementare Notwendigkeit. Die allgemeine Entwicklung der Persönlichkeit und die Entfaltung der Lernfähigkeit der Schüler wird entscheidend von der Art ihrer sozialen Beziehungen mitgeprägt.
Die Schüler sollen ihr Verhältnis zu den Mitmenschen so gestalten können, daß das Aufnehmen und Aufrechterhalten partnerschaftlicher Beziehungen zunehmend möglich wird. Solche Beziehungen gewähren ihnen sowohl Sicherheit und Geborgenheit als auch die Möglichkeit einer Mitgestaltung. Die Anbahnung bzw. der Einsatz gesellschaftlicher Umgangsformen stellen soziale Ziele der Erziehung dar.
Didaktische Grundsätze:
– Eine einfühlsame Betreuung hilft den Schülerinnen und Schülern, ein besonderes Sicherheitsgefühl zu gewinnen. Dieses ist Voraussetzung sowohl für die Fähigkeit soziale Beziehungen aufzunehmen als auch für eine neugierige Zuwendung zur Umwelt. Durch die Schaffung vielfältiger Möglichkeiten der Kontaktaufnahme innerhalb des Klassenverbandes, durch Hilfen zur Wahrnehmung anderer Menschen und durch intensives Eingehen auf Reaktionen der Schülerinnen und Schüler wird ihre soziale Entwicklung unterstützt.
– Sowohl für das persönliche Wohlbefinden als auch für die gesamte Entwicklung ist es notwendig, daß die Schüler in ihrem gesamten Wahrnehmungsbereich angesprochen werden. Durch regelmäßig wiederkehrend vertraute sowie immer neue Kontaktangebote sollen die Schüler ermutigt werden, soziale Aktivitäten zu setzen. Innerhalb der Klassengemeinschaft sollen die Schüler lernen, Verantwortung zu übernehmen. Arbeiten, die immer wieder verrichtet werden müssen, aber auch die Mitwirkung bei der Planung von Vorhaben sind Teil des sozialen Lebens und erhöhen zudem das Selbstwertgefühl der Schüler.
– Durch behutsames Bekanntwerden mit verschiedenen Objekten werden den Schülerinnen und Schülern vielfältige Reize geboten, die zu einer aktiven Auseinandersetzung führen. Bei allen Tätigkeiten in diesem Bereich sind die Methoden der Rhythmik bzw. verschiedene Kategorien der Spiele eine wertvolle Hilfe, um soziale Verhaltensweisen einzuüben.
– Die Schüler sollen vorsichtig aus der Eltern-Kind-Beziehung herausgelöst werden. Da sie den Schulbesuch zunächst als Trennung von ihrer gewohnten Umgebung empfinden, ist eine behutsame Einführung in diese neue Lebensphase besonders wichtig. Die Schüler sollen im Umgang mit Mitmenschen verschiedene Möglichkeiten der Kontaktaufnahme kennenlernen, soziale Eigenschaften entwickeln und Anpassung und Durchsetzung angemessen einsetzen. Zeiten des Alleinseins sollen sie bewältigen und nutzen lernen.
– Durch Begegnungen mit Freunden, mit Behinderten und Nichtbehinderten bei schulischen und außerschulischen Veranstaltungen soll für die Schüler selbstbewußtes Verhalten und Tätigwerden in neuen Situationen ermöglicht und durch begleitende Maßnahmen seitens der Betreuungspersonen erleichtert werden.
Handlungsfelder
| Strukturgitter 2: Erfahren, Erleben und Auseinandersetzung mit der Gemeinschaft | ||||
|---|---|---|---|---|
| sinnlich-aufnehmend | handelnd-personalaktional | darstellend-bildlich-symbolisch | begrifflich-abstrakt | |
| sozialer Aspekt | – Erfahren, daß man nicht allein lebt | – Erfahren, daß man nicht allein lebt | – Gesellschaftliche Umgangsformen kennen und sie situationsgerecht anwenden | – Verantwortung der Gemeinschaft und deren Mitgliedern gegenüber übernehmen |
| personalerAspekt | – Zuwendung und Berührung erleben | – Kontakte zu anderen aufnehmen | – Regeln des sozialen Umgangs kennen und sich danach richten | – Sich mit seiner Rolle in der Gesellschaft zurechtfinden, sie reflektieren und gestaltend eingreifen |
| funktionaler Aspekt | – Mit Objekten hantieren, mit seinem Körper und mit seiner Sprache spielen | – Mit anderen spielen | – Rollen im Spiel übernehmen und Gegenstände einer Spielidee unterordnen | |
| zeitlicher Aspekt | – Einen Teil des Tages mit anderen verbringen | – An gemeinsamen Festen und Feiern teilnehmen und sie mitgestalten | – Freundschaft schließen und Zeiten des Alleinseins und der Gemeinsamkeit sinnvoll nutzen | – Verabredungen vereinbaren und sich daran halten |
| räumlicher Aspekt | – Die Anwesenheit anderer über seine Sinne wahrnehmen | – Seine Interessen und Vorlieben abwägen und Gemeinschaften aufsuchen, in denen man diese pflegen kann | ||
1.3. Strukturgitter 3: Erfahren, Erleben und Auseinandersetzen mit der Umwelt
3a: Schule, Schulumgebung, öffentliche Einrichtungen
3b: Natur, Zeitabläufe
Bildungs- und Lehraufgabe:
Die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler in ihrer Ganzheit als Person vollzieht sich in einem jeweils bestimmten Lebensraum, den sie sich im Rahmen ihrer Erlebnismöglichkeiten zunehmend erschließen. Der Bereich Umwelt soll das Hineinwachsen der Schüler in ihre nähere Umgebung unterstützen.
Umwelt ist zunächst die Familie, die Klasse und die Schule. Mit zunehmender Handlungsfähigkeit werden Natur, Schulumgebung, Betriebe und öffentliche Einrichtungen in das Erfahrungs- und Lernfeld der Schüler miteinbezogen.
Didaktische Grundsätze:
– Für eine lebensnahe Erziehung und zur Erweiterung der Erfahrungen ist es notwendig, aus der Schule herauszugehen. Kinder und Jugendliche werden mit ihrer Umwelt vertraut und lernen, sich in ihr zurechtzufinden.
– Durch Spiele in und mit der Natur erleben die Schüler die Freude durch das Entdecken neuer, bisher unbekannter Möglichkeiten. Die Kenntnisse, die die Schüler im Laufe der Schulzeit über die Zusammenhänge in der Natur erwerben, sollen in ihnen das Bewußtsein darüber entstehen lassen, welche Bedeutung eine funktionierende Umwelt für ihr eigenes Leben hat und wie sie selber eine lebenswerte Umwelt mitgestalten können.
– Nahrung und Kleidung sind lebensnotwendige Bereiche, mit denen die Schüler täglich konfrontiert werden. Durch die handelnde Auseinandersetzung im Unterricht, sei es bei der Zubereitung der Jause oder dem kreativen Verarbeiten von textilen Rohstoffen, erhalten die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in verschiedene Produktionsabläufe.
– Das dauernde Aufmerksam-Machen auf Erscheinungen der Natur ist Grundlage für die Weckung eigener Beobachtungslust. Experimente mit Naturerscheinungen als Unterrichtsinhalt hängen sowohl von den strukturellen Möglichkeiten der Schule als auch von der Art und dem Ausmaß der Beeinträchtigung der Schüler ab. Das Ziehen von Schlüssen aus solchen Erfahrungen versteht sich als Anregung zur Förderung von geordnetem und beginnendem systematischen Denken.
– Manche Kinder mit erhöhtem Förderbedarf erleben den Ablauf des Schultages eher unbewußt – mit mehr oder weniger Vorlieben für gewisse Tätigkeiten. Durch die zeitliche Strukturierung können sie zu einem bewußteren Erleben bestimmter Zeitpunkte und Zeitabläufe geführt werden. Zur wachsenden Selbständigkeit der Schüler gehört die Fähigkeit, ihre Zeit für sich persönlich und nach allgemein herrschenden Richtlinien sinnvoll einzuteilen.
– Um die Selbständigkeit der Schüler zu fördern, ist es wichtig, daß sie die Funktionen und Bereiche der einzelnen Schulräume kennen, und daß sie diese aufsuchen und benutzen können. Das schrittweise Abstrahieren von Merkmalen als Orientierungshilfe bis hin zum Plan ist dann als sinnvoll zu erachten, wenn es die Mobilität der Schüler erhöht bzw. für sie von großem persönlichen Interesse ist.
Handlungsfelder
| Strukturgitter 3a: Schule, Schulumgebung, öffentliche Einrichtungen | ||||
|---|---|---|---|---|
| sinnlich-aufnehmend | handelnd-personalaktional | darstellend-bildlich-symbolisch | begrifflich-abstrakt | |
| sozialer Aspekt | – Eine Klassengemeinschaft erleben | – Die Schule als Ort der Begegnung erleben und sich in die Schulgemeinschaft einbringen | – Außerschulische Veranstaltungen mit den Mitschülerinnen und Mitschülern besuchen und sich bei der Planung aktiv beteiligen | |
| personalerAspekt | – Sicherheit und Geborgenheit durch vertraute personale Umwelt und Räume finden | – Bereiche des Klassenraumes und Räume der Schule seinen Bedürfnissen gemäß aufsuchen und sie benutzen | – Sich in der näheren Umgebung der Schule zurechtfinden können | |
| funktionaler Aspekt | – Angebot aus der gestalteten Umgebung annehmen | – Die Funktionen seiner gestalteten Umgebung erkennen und sie in Anspruch nehmen | – Elementare Einsichten über öffentliche Einrichtungen und Dienstleistungsbetriebe gewinnen | – Die Funktion öffentlicher Einrichtungen, Betriebe und Gesundheitseinrichtungen kennen und sie in Anspruch nehmen |
| zeitlicher Aspekt | – Rhytmisierene Fixpunkte im Tagesablauf erleben | – Den Ablauf des Schultages in seiner Bedeutung erfassen und ihn mitgestalten können | – Schulische Aktivitäten für einen kurzen Zeitraum vorausplanen können | |
| räumlicher Aspekt | – Mit der Klasse als Lebensraum vertraut werden und den Raum in seinen verschiedenen Funktionen erfahren | – Sich im Klassenraum und in der Schule orientieren | – Die Gemeinden kennen und sich in der erfahrbaren Umgebung zurechtfinden können | – Sich auf Plänen orientieren und Möglichkeiten kennen, von einem Ort zum anderen zu gelangen |
| Strukturgitter 3b: Natur, Zeitabläufe | ||||
| --- | --- | --- | --- | --- |
| sinnlich-aufnehmend | handelnd-personalaktional | darstellend-bildlich-symbolisch | begrifflich-abstrakt | |
| sozialer Aspekt | – An Jahresfeiern und jahreszeitlichen Festen teilnehmen | – Jahresfeste mitgestalten – Lebendes in seiner Umgebung versorgen | – Verschiedene Landschaftsformen als Lebensraum des Menschen, der Tiere und der Pflanzen kennenlernen und sich dort angemessen verhalten | – Sich als Teil der Natur erkennen und damit verantwortungsbewußt umgehen |
| personalerAspekt | – Sich an der Natur erfreuen | – Persönliche Feste feiern | – Erkennen, daß die Natur die Grundlage der Nahrungsversorgung ist | – Seine Umwelt beeinflussen können – Müll vermeiden, Müll trennen |
| funktionaler Aspekt | – Mit Erde, Wasser, Sand und Licht spielen | – Erfahren, daß Tiere und Pflanzen als Grundlage für Nahrung und Kleidung dienen | – Erscheinungen der Natur beobachten, damit experimentieren und Schlüsse ziehen können | – Anhand verschiedener Medien seine Erkenntnisse über die Erde, Planeten… und deren Entstehungsgeschichte vervollständigen |
| zeitlicher Aspekt | – Ein zukunftsbezogenes Neugierverhalten entwikkeln | – Jahreszeitliche Gegebenheiten erkennen und seine Handlungen danach richten können | – Zeitmarkierungen erkennen und sie als Orientierungshilfe benützen | |
| räumlicher Aspekt | – Durch den Aufenthalt in verschiedenen Räumen verschiedene Zeitspannen erleben | – Tiere und Pflanzen in ihrer natürlichen Umgebung kennenlernen (Wiese, Wald, Garten, Wasser) | – Sich mit anderen Völkern, deren Lebensraum und Lebensweise auseinandersetzen | |
1.4. Strukturgitter 4: Erfahren, Erleben und Auseinandersetzen mit der Sachumwelt
4a: Arbeit, Freizeit, kulturelle Einrichtungen
4b: Wirtschaft, Dinge des täglichen Bedarfs
Bildungs- und Lehraufgabe:
Ausgangspunkt für diesen Bereich sind die im Alltag der Schüler erlebbaren Gegenstände, Materialien, Werkzeuge und Zusammenhänge. Die sich im Schulalltag auf natürliche Weise ergebenden Situationen sollen aufgegriffen und als Lernanlässe genutzt werden.
Die Schüler sollen Fertigkeiten, Erkenntnisse und Einsichten erlangen, die es ihnen ermöglichen, gestaltend und so selbstbestimmt wie möglich am Zusammenleben teilzunehmen.
Teilnahme am gesellschaftlichen Zusammenleben bedeutet auch, sich in Verantwortung für Arbeit üben zu können, Möglichkeiten zu kennen, seine Freizeit zu gestalten und sich als Schüler bzw. Schülerin darauf verlassen zu können, daß die Schule den Übergang zur Erwachsenenwelt mitbereitet.
Aufgabe der Schule ist es, die Vermittlerin zwischen den Jugendlichen, deren Wegbegleiter sie für viele Jahre war, und den außerschulischen Freizeit- und Berufsbereichen zu sein. Ebenso hat sie die Aufgabe, sie auf konkrete Arbeits- und Wohnsituationen vorzubereiten.
Didaktische Grundsätze:
– In der Bemühung, die Gesamtpersönlichkeit der Schüler zu fördern, und sie zu größtmöglicher Selbständigkeit zu erziehen, muß Unterricht, Erziehung und Förderung dem Grundsatz verpflichtet sein, Gegenstände und Situationen an ihren natürlichen Orten aufzusuchen. Lernen findet nicht mehr nur am traditionellen Ort Schule statt, sondern dort, wo Leben in seinen verschiedenen Aspekten (Arbeit, Freizeit, Versorgung, Wohnen, Kommunikation, Öffentlichkeit) gemeinsam erlebt und erfahren wird. Die Rolle der Lehrer soll dabei beratend, helfend und in großem Maße partnerschaftlich sein.
– Die Schüler sollen eigene wirtschaftliche Bedürfnisse erkennen, sie ausdrücken und die Möglichkeiten zu ihrer Erfüllung abschätzen lernen. Um sich als Teil wirtschaftlicher Zusammenhänge erfahren zu können, müssen sie an überschaubaren Beispielen einfache Kenntnisse über Arbeit und Verdienst, Verständnis für das Versorgtwerden und Versorgen erwerben und grundlegende Zusammenhänge zwischen Arbeit, Geldverdienen und Geldausgeben im Hinblick auf eine selbständige Lebensführung, erfassen lernen.
Folgende Prinzipien sind für diese Phase schulischen Lernens bedeutsam:
Verbesserung der Selbstwahrnehmung mit dem Ziel, sich als eigenständige Person zu erfahren und aktiv auf sich aufmerksam zu werden
Teilnahme am Leben einer Gemeinschaft, in der Zuwendung von und zu anderen erfolgen kann
Verminderung der Pflegeabhängigkeit und Förderung der lebenspaktischen Selbständigkeit
Hilfe zur Loslösung aus den Primärbeziehungen und Unterstützung beim Einleben in angepaßten Wohnformen in einer neuen Gemeinschaft
Hilfe und Beratung beim Kennenlernen und Eingewöhnen in Arbeits- und Beschäftigungsplätze
Unterstützung bei der Wahl und beim Nutzen von Freizeit- und Erholungsangeboten.
Handlungsfelder
| Strukturgitter 4a: Arbeit, Freizeit, kulturelle Einrichtungen | ||||
|---|---|---|---|---|
| sinnlich-aufnehmend | handelnd-personalaktional | darstellend-bildlich-symbolisch | begrifflich-abstrakt | |
| sozialer Aspekt | – Sich als Teil einer Gemeinschaft empfinden und gemeinsame Aktivitäten miterleben | – Sich als Gestalter gemeinsamer Aktivitäten (Arbeit, Spiel) fühlen und seinen Anteil am gemeinsam hergestellten Produkt sehen | – Zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden – In einer Gemeinschaft leben und Arbeitsprozesse mitgestalten | – Sich in Arbeitsgruppen und -abläufe einordnen und Verantwortung übernehmen |
| personalerAspekt | – Lieblingsbeschäftigungen haben | – Eigene Interessen und Bedürfnisse entwickeln und sie verwirklichen – Für sich passende Entspannungs- und Erholungsmöglichkeiten genießen | – Mit unterschiedlichen Materialien und mit Hilfe von technischen Geräten schöne und nützliche Dinge gestalten | |
| funktionaler Aspekt | – Sich für Dinge und Handlungen interessieren, die die Welt in Bewegung setzen | – Aufgaben übernehmen und diese ausführen | – Technische Geräte nach seinem persönlichen Bedarf auswählen und sie bedienen | – Technische Geräte warten und pflegen und Maßnahmen zur Vermeidung von Gefahren treffen können |
| zeitlicher Aspekt | – Sich an vorgegebene Zeiten (Pausen, Arbeitsphase, Unterricht, Freizeit) halten | – Sein Handeln in ungelenkten Freiphasen zeitlich organisieren können | – Seinen Alltag den persönlichen Aufgaben und Interessen gemäß gestalten | |
| räumlicher Aspekt | – Die Schule als Ort für Arbeit und Spiel anerkennen | – Vereinigungen, in denen man Freizeit mitgestalten kann, kennenlernen – Vereinigungen (Freunde) seines Interesses suchen, um darin (mit ihnen) außerhalb des Schul- und Wohnbereiches die Freizeit zu verbringen | – Mögliche Verkehrswege kennenlernen, um Freizeiteinrichtungen und den zukünftigen Arbeitsplatz zu erreichen | |
| Strukturgitter 4b: Wirtschaft, Dinge des täglichen Bedarfs | ||||
| --- | --- | --- | --- | --- |
| sinnlich-aufnehmend | handelnd-personalaktional | darstellend-bildlich-symbolisch | begrifflich-abstrakt | |
| sozialer Aspekt | – Mit anderen teilen | – Sorgfältigen Umgang mit eigenen und anvertrauten Dingen pflegen | – Sich als Teil wirtschaftlicher Zusammenhänge erkennen und diese an überschaubaren Beispielen nachvollziehen können | |
| personalerAspekt | – Dinge des täglichen Bedarfs zur Befriedigung seiner elementaren Bedürfnisse erleben | – Aspekte des wirtschaftlichen Lebens in spielerischer Form erproben | – Wirtschaftliche Bedürfnisse und Wünsche haben und Wege suchen, diese zu befriedigen | – Konsumbedürfnisse mit den zur Verfügung stehenden Mitteln in Einklang bringen können |
| funktionaler Aspekt | – Dinge des täglichen Bedarfs kennenlernen und sie sachgemäß pflegen und behandeln | – Mit gesellschaftlich üblichen Maßen und Gewichten umgehen und sie situationsgerecht einsetzen | – Den situationsgerechten Einsatz von technischen Geräten erlernen, die notwendig sind und/oder das Leben erleichtern | |
| zeitlicher Aspekt | – Dinge des täglichen Bedarfs im Tagesrhythmus erleben | – Lernen, seine Bedürfnisse und Wünsche zeitlichen Gegebenheiten anzupassen | – Dinge des täglichen Bedarfs vorausschauend besorgen können | |
| räumlicher Aspekt | – Geschäfte, Betriebe uä. Des Wohn-/Schulortes und ihre Funktion kennenlernen | – Sich als Verkehrsteilnehmer orientieren und mit den Regeln und Gefahren vertraut sein | ||
1.5 Besondere Lehrplanbestimmungen für die Übergangsstufe Arbeit, Freizeit, Wohnen
Lehrstoff:
| Handlungsfeld | Lerninhalte/Lernziele |
|---|---|
| Neue soziale Bezüge kennenlernen | - Vertrauen zu neuen Bezugspersonen entwickeln |
| - Sich auf neue Kommunikationspartner einlassen | |
| - Mit Menschen, die sympathischsind, freundschaftliche Beziehungen aufbauen | |
| Erwachsen werden | - Sich aktiv an Vorhaben beteiligen und diese mitgestalten |
| - Sich auf neue Arbeitstätigkeiten, Wohnformen, Freizeitgestaltung und Sozialkontakte vorbereiten | |
| - Sich als eigenständige Person erfahren | |
| - Sich in seiner Lebensgeschichte und als Person angenommen fühlen | |
| - Eine positive Lebenseinstellung und Erwartungshaltung entwickeln | |
| - Persönliche Neigungen und Wünsche an die vorgegebenen Möglichkeiten anpassen; Beratung und Hilfe annehmen | |
| - Einer Lieblingsbeschäftigung nachgehen | |
| - Mit Freunden die Freizeit verbringen | |
| - Freundschaften schließen | |
| - Wünsche bezüglich des Berufes äußern | |
| - Zuwendung und Zärtlichkeit geben und nehmen können | |
| Als Erwachsener Rechte und Pflichten haben | - Im Rahmen einschlägiger Schulveranstaltungen in verschiedenen Betrieben mitarbeiten und die Struktur/Organisation kennenlernen |
| - Erfahren, daß Arbeit mit Lohn verbunden ist | |
| - Bescheid wissen, warum man arbeitet | |
| - Öffentliche Einrichtungen in Anspruch nehmen | |
| - Seinen Alltag den persönlichen Interessen und Aufgaben gemäß gestalten | |
| - Recht auf Liebe, Glück, Zärtlichkeit und Partnerschaft beanspruchen | |
| - Sich von der Familie lösen | |
1.6 Deutsch (Sprache – Lesen – Schreiben)
Präambel
Nur die aktive Teilnahme am Alltagsleben in einer Kultur ermöglicht es Menschen, die geltenden Werte, Bedeutungen und Mittel zu erwerben.
Kulturtechniken sind Mittel, mit denen man an der Kultur eines Volkes teilhaben kann. Sie können nur in kulturell eingebundenen Handlungsfeldern erfahrbar gemacht und erworben werden.
Kulturtechniken helfen die Welt, in der man lebt, zu ordnen.
Möglichst gute Beherrschung der Sprache, Lesen- und Schreibenkönnen sind die wichtigsten Mittel zur Bewältigung des Daseins in der heutigen Zeit. Es muß daher davon ausgegangen werden, daß sowohl die kleinste Verbesserung im Sprachverständnis und im Sprachausdruck als auch jede elementare, bruchstückhafte Aneignung der Fertigkeit des Lesens und Schreibens für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung ihrer Selbständigkeit, ihrer Lebenstüchtigkeit, ihres Selbstwertgefühls und ihrer Erlebnis- und Kontaktfähigkeit bedeutet.
Kinder erwerben die basalen Fähigkeiten, die sie zum Erlernen unserer entwickelten, abstrakten, symbolischen Kulturtechniken benötigen, üblicherweise im Alltag vor Schuleintritt. Kinder mit erhöhtem Förderbedarf sind dabei auf Grund ihrer Behinderung auf besondere Unterstützung angewiesen. Viele werden wahrscheinlich diese Kulturtechniken nie losgelöst vom Alltagsleben, in dem diese „Kulturtechniken” Sinn und Bedeutung gewinnen, anwenden können.
Der Unterricht für Schüler mit erhöhtem Förderbedarf muß sich daran orientieren.
Sprache
Bildungs- und Lehraufgabe:
Sprache ist ein wesentliches Mittel zwischenmenschlicher Verständigung. Dies gilt sowohl für die Ebene präverbaler Kommunikation als auch für die Ebene, auf der Sprache Trägerin von Sinn und Überlieferung ist.
Sprache als geistiger Besitz von Worten und deren Sinngehalt ist für den Menschen das Mittel zum Wahrnehmen und Erkennen des Seins. Sie erst ermöglicht bewußtes Denken und Lernen, das Mitteilen seiner Gedanken und das Übernehmen anderer Gedanken.
Der Erwerb jedes einzelnen Wortes und seiner Bedeutung bedeutet daher für die Lernenden eine Erweiterung dieser Möglichkeiten.
Aus diesem Grund soll die Verbesserung des Sprachvermögens auch für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf nicht nur im Mittelpunkt des Deutschunterrichts stehen, sondern überhaupt wichtigstes Unterrichtsprinzip allen Lernens darstellen.
Bei Kindern mit erhöhtem Förderbedarf kann im allgemeinen eine altersgemäße Sprachentwicklung nicht erwartet werden. Häufig besteht auch ein großer Unterschied zwischen Sprachverständnis und Sprachgebrauch.
Didaktische Grundsätze:
– Nonverbale Äußerungen der Schüler sind kommunikative Angebote und als Vorstufe zum Spracherwerb zu verstehen.
– Die wirkungsvollste Form der Sprachschulung von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf stellt die Konfrontation der Schüler mit wirklichen Gegenständen, Sachverhalten und Handlungen sowie deren Verbalisierung durch den Lehrer und durch die Schüler dar. Ausgangspunkt bei der Sprachschulung soll die von den Schülerinnen und Schülern mitgebrachte Sprache (Herkunftssprache) sein. Ihre Diskriminierung ist zu vermeiden. Eine eventuell vorhandene Scheu zu sprechen soll in einer Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens abgebaut werden.
– Kritik, Erfolgskontrolle und Korrekturen sind auf das Notwendigste zu beschränken. Der Mut sich auszudrücken und die Freude am Sprechen sollen wichtiger sein als sprachliche Richtigkeit. Verstöße gegen Sprachrichtigkeit sind besser später durch geeignete Übungen zu beheben.
– Die behutsame Annäherung an die Schriftsprache geschieht durch Vorlesen, Erzählen, durch Reime, Lieder und durch den Einsatz von Medien.
– Auf theoretisches Grammatikwissen ist im allgemeinen zugunsten des Übens der funktionalen sprachlichen Sicherheit zu verzichten.
– Zu beachten ist, daß Sprachverstehen dem Lesen und Schreiben vorausgeht.
Lesen
Bildungs- und Lehraufgabe:
Der Leseunterricht für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf umfaßt das Aneignen von Inhalten
aus enaktiver Darstellung (aus realen Gegebenheiten zB einen wirklichen Apfel als „Apfel” erkennen),
aus ikonischer Darstellung (aus Abbildungen realer Gegebenheiten in Form von Bildern, Zeichnungen, Skizzen usw. zB einen gezeichneten Apfel als „Apfel” erkennen),
aus Schriftzeichen und anderen Symbolen.
Während der psychologische Prozeß des „Lesens” enaktiver und ikonischer Darstellungen darin besteht, in den realen Gegebenheiten und Abbildungen Worte und ihre Sinngehalte zu erkennen, besteht das Lesen von Schriftzeichen darin, den Sinngehalt vorgegebener Worte wiederzubeleben, sich diesen Sinngehalt wieder vorzustellen. Voraussetzung für alle drei Formen des Lesens ist der geistige Besitz sowohl der zu lesenden Worte als auch deren Sinngehalt. Sprachpflege in Form von Begriffsbildung muß daher immer dem Lesen vorangehen.
Didaktische Grundsätze:
– Der Leseunterricht in der Schule für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf beschränkt sich nicht nur auf das Lesen von Buchstaben und Schrift. Viele Schüler werden diese Stufe niemals erreichen können. Der Ausgangspunkt des Leseunterrichts wird das Erleben von Sinngehalten in allen Bereichen der menschlichen und gegenständlichen Umgebung der Schüler sein.
– Für die Mitteilung von Sinngehalten, die aus enaktiver und ikonischer Darstellung gewonnen wird, soll jegliche Form der Sprache anerkannt werden, von Mitteilung durch konkrete Handlungen über Gesten und andere Formen der Körpersprache bis zu schriftsprachlicher Benennung.
– Jede Form des Lesens von der Bezeichnung eines Hundes mit „Wauwau” bis zum naiv-ganzheitlichen Lesen eines Wortes kann für einzelne Schüler als Ziel gelten.
Schreiben
Bildungs- und Lehraufgabe:
Unter Schreiben für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf soll jegliche Form des Festhaltens von Gedachtem verstanden werden. Dies kann in Form selbsterfundener Zeichen als persönliche Merkhilfe über bildhafte Formen der Darstellung bis zu lesbarer und der Rechtschreibung entsprechender Schrift geschehen.
Einfachste Niederschriften in Form graphischer oder bildhafter Notizen können dem einzelnen bereits wertvollste Dienste, etwa als Merkhilfen, als Unterstützung des Denkens, als Hilfe beim Ordnen von Gedanken usw. leisten und dadurch schon eine Hilfe bei der Bewältigung des Alltags sein sowie die Befähigung zur Ausübung eines Berufs verbessern.
Didaktische Grundsätze:
– Die Voraussetzung für das Schreiben, nämlich die Wahrnehmung von Richtung und Raumlage und von differenzierten Formen von Linien und Strichen, bedarf geeigneter Vorübungen.
– Da das Erlernen des Schreibens vielen Kindern mit erhöhtem Förderbedarf große Mühe abverlangt, soll der Schwerpunkt beim Schreiben nicht auf Gestaltungsmomente gerichtet sein, sondern allein auf Entzifferbarkeit. Vorschreiben einer Mitteilung durch den Lehrer und Nachschreiben soll daher häufig praktiziert werden. Bei falsch geschriebenen Wörtern soll aus Gründen der Ermutigung das Richtiggeschriebene hervorgehoben und nicht das Falschgeschriebene gekennzeichnet werden. Bei Fehlerhäufung in einem Wort ist es am besten, dieses Wort zu löschen und die richtige Schreibweise vorzugeben und zu üben.
– Schüler, die durch eine Behinderung am Schreiben beeinträchtigt sind, können entsprechende andere Hilfen, wie elektrische Schreibmaschinen, Kopfstab oder Computer, benutzen.
– Eine Verbindung des „Schreibens” mit dem „Lesen” ist notwendig, da es sich um den gleichen Vorgang in umgekehrter Reihenfolge handelt (Kodierung – Dekodierung).
Lehrstoff:
| Handlungsfeld | Lerninhalte/Lernziele |
|---|---|
| Eingebundensein in soziale Bezüge und in ritualisierte Abläufe, in denen Sprache Bedeutung hat | - Zuhören lernen |
| - Auf Wünsche, Aufforderungen, Anordnungen u. dgl. eingehen | |
| - In ritualisierten Alltagshandlungen sprachlich richtig reagieren | |
| - Gefühle ausdrücken und bei anderen wahrnehmen | |
| Anzeichen als Teil einer zukünftigen Handlung erkennen | – Bestimmte Tages-, Wochen- und Jahreszeiten mit bestimmten Tätigkeiten und Vorgängen verbinden |
| – Die Reihenfolge von Handlungen und Vorgängen vorhersehen | |
| – Erlebte Handlungen und Vorgänge beschreiben und zukünftiges Geschehen vermuten | |
| – Aus Anzeichen, Hinweisen auf dahinterliegende Gegenstände, Sachverhalte und Handlungen schließen | |
| – Charakteristische Gegenstände ihrem Zweck und Gebrauch zuordnen | |
| – Gegenstände und Handlungen entsprechenden Orten und Räumen zuordnen | |
| – Charakteristische Handlungen Personen und Tieren zuordnen | |
| – Den Zeitaufwand für bestimmte Handlungen und Vorgänge schätzen | |
| - Aufzeichnungen machen und benutze | |
| – Pläne machen | |
| Anbahnung und Ermöglichung von Kontakten | – Einer Gemeinschaft angehören |
| – Tätigkeiten in persönlichen Beziehungen und Gemeinschaften ausüben | |
| – Über Sprache und Handlungen Kontakte anknüpfen | |
| Koordination von Bewegungsabläufen und Sinnen | - Tätigkeiten ausüben, die den Einsatz und das Zusammenspiel der fünf Sinne erfordern |
| – Vorgesprochene Sprache (auch Reime, Gedichte u. dgl.) nachsprechen | |
| Sensumotorische, nonverbale und verbale Kommunikationsmöglichkeiten erproben | – Miteinander kommunizieren |
| Erwerb und Anwendung der kulturellen Bedeutung von Gegenständen und Handlungen | – Am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilnehmen |
| – Die Bedeutung von Gegenständen und Handlungen erklären | |
| – Rollen spielen | |
| – Anerkannte und geachtete Umgangsformen erleben, nachahmen und verstehen | |
| Erwerb eines Körperschemas | – Körperliches Befinden ausdrücken bzw. beschreiben |
| – Möglichkeiten und Leistungen der Sinne wahrnehmen und beschreiben | |
| – Physische und seelische Bedürfnisse des Körpers äußern | |
| Motorik und Wahrnehmung | – Was man mit dem Körper tun kann: erkennen, ausführen und beschreiben ausführen und diese beschreiben |
| – Verschiedenen Leistungen mit den Sprechorganen | |
| – Raum und Raumlage erfahren | |
| – Mit Gegenständen und Materialien hantieren, sie benennen und beschreiben | |
| – Geräusche, Laute und Stimmen erkennen, benennen und unterscheiden | |
| Repräsentationsfunktion und Symbolverständnis | – Die Bedeutung, die Symbole und andere Zeichen vertreten, erkennen und beschreiben |
| – Zeichen als konventionelle Repräsentation verwenden | |
| Sprechen | – Sprechkompetenz anbahnen bzw. verbessern |
| Lesen | – Graphische Zeichen erkennen und unterscheiden |
| – Buchstaben und Wörter benennen | |
| – Schriftlich fixierte Sprache entziffern und die Bedeutung erkennen | |
| Schreiben | – Spuren machen, Zeichen gestalten |
| – Eigene Zeichen, Symbole erfinden | |
| - Buchstaben bzw. Wörter schreiben | |
| – Lesbare Handschrift entwickeln | |
1.7 Mathematik
Bildungs- und Lehraufgabe:
Mathematikunterricht ist als integrativer Anteil am gesamten Unterricht zu verstehen. Der Unterricht für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf muß sich daher auf die individuell entwickelten Voraussetzungen, die die einzelnen Schüler bereits mitbringen, beziehen und diese erweitern. Elementare Fertigkeiten und Fähigkeiten sind notwendig für die Bewältigung von Problemstellungen des Alltags. Sie ermöglichen, die Umwelt zu erschließen, zu verstehen und zu strukturieren.
| In den Bereichen | Person und Gemeinschaft |
|---|---|
| Zeit und Raum | |
| Objekte der Umwelt | |
| Mengenbildung (Zahlbegriffsbildung) und Mengenoperationen (Rechenoperationen) | |
stellen sich Probleme, deren Bewältigung nur über das Bereitstellen mathematischer Erfahrungsmöglichkeiten erfolgen kann.
Lernangebote, an denen die Schülerinnen und Schüler durch eigenes Handeln Erfahrungen sammeln können, sind Voraussetzungen für die Entwicklung mathematischen Denkens. Nur über das „Durchlaufen” von Handlungs- und Bildebene können sie zur Symbolebene gelangen. Sie lernen so nach und nach Begriffe und Ordnungen – auch abstrakter Art – wobei die anfangs individuellen Symbole zu allgemeingültigen Zeichen führen. Dieses Lernen wird am besten gefördert, wenn die Schüler allein oder in Gruppen tätig sein können; Kooperationen in kleinen Teams werden dabei sehr häufig eingesetzte Arbeitsformen sein, wobei Lernanlässe über vielfältige Medien zu einer Lernatmosphäre führen.
Didaktische Grundsätze:
Mathematik – Person und Gemeinschaft
Für den Mathematikunterricht mit schwerbehinderten Schülerinnen und Schülern bedeutet dies:
– daß Unterricht für die Schüler Möglichkeiten schaffen muß, die soziale und physische Welt in der Klasse mitzugestalten, umzugestalten und mit ihren entwickelten Handlungsmöglichkeiten für sich zu vereinnahmen;
– daß Unterricht für die Schüler die Möglichkeit bieten muß, sich mit Ihren Kollegen zu messen.
– daß es von großer Bedeutung ist, wie mit Grenzüberschreitungen (und sich möglicherweise daraus ergebenden Konflikten) umgegangen wird;
– daß die Lehrer im Unterricht nach motivierenden Möglichkeiten suchen müssen, damit die Schüler auf ihrer jeweiligen Entwicklungsstufe die entwickelten mathematischen Ordnungen als so wertvoll erachten, daß sie sich der Mühe unterziehen wollen, sie sich zu eigen zu machen.
Bei allen Tätigkeiten erlebt jede Schülerin bzw. jeder Schüler, daß sich Gruppen bilden, die sich ändern, sich in ihrer Zusammensetzung neu bilden usw.. So lernen die Schüler allmählich ein Regelbewusstsein und ein Regelverständnis, das es ihnen ermöglicht, mit den Menschen ihrer Gemeinschaft zusammenzuarbeiten und die Umwelt zu mathematisieren.
Mathematik – Zeit und Raum
Das Gemeinschaftsleben wird auch durch Zeit und Raum strukturiert. Im immer wiederkehrenden Tages- und Wochenablauf erleben die Schüler zB das zeitliche Hintereinander, und allmählich wird der Tagesablauf bzw. der Wochenablauf durch die zeitliche Gliederung überschaubar.
Alle Wahrnehmungen und Handlungen vollziehen sich in der Zeit. Somit stellt die Orientierung in der Zeit, dh. die zeitliche Strukturierung von Wahrnehmung und Handlung einen wichtigen Baustein des Lernens dar.
Die Zeit ist ein wesentlicher Orientierungsfaktor für das Zusammenleben. Das Gefühl für Gleichzeitigkeit und zeitliches Nacheinander erlangt im Bereich der Mathematik zB beim Erlernen des Zählens Bedeutung.
Die Gegenwart ist der Ausgangspunkt für den entsprechenden Lernprozeß. Von da aus kann erinnert oder vorausgedacht werden. Zeitliche Beziehungen zwischen Ereignissen werden hergestellt, eine zB für das Beherrschen von Rechenoperationen wichtige Teilfertigkeit.
Ein weiterer Aspekt der Dimension Zeit im Zusammenhang mit Lernen ist die Fähigkeit der zeitlich-räumlichen Koordination. Da die Schüler in Zeit und Raum leben, sind sie gezwungen, Zeit- und Raumerfahrungen zu verbinden.
Die Orientierung im Raum geht vom eigenen Körper aus.
Der durch das Körperschema geschaffene Bezugsrahmen ermöglicht den Schülerinnen und Schülern die eigene Raumlage und die Raumlage von Objekten zu erkennen und räumliche Beziehungen zu erfassen.
Geometrische Fähigkeiten wie „Erfassen der Raumlage” und „Erkennen räumlicher Beziehungen” gehen als Teilleistungen in die simultane und gliedernde Mengenerfassung ein und damit in den Aufbau von Zahlvorstellungen.
Mathematik – Objekte der Umwelt
Mathematische Grunderfahrungen mit Objekten werden auf zwei Wegen, die teilweise parallel verlaufen, gewonnen:
durch den individuellen Umgang mit Objekten und
durch den kulturellen Umgang mit Objekten.
ad a) Der Körper dient als erstes Objekt. Eigenschaften und Beschaffenheit der nächsten Umgebung werden zunächst noch undifferenziert und wenig getrennt von der eigenen Person erlebt.
Nach und nach werden Gegenstände berührt, in den Mund genommen, in Bewegung versetzt ... Der dabei erzeugte Effekt spielt eine wesentliche Rolle.
Erst als nächster Schritt werden Gegenstände für sich interessant. Ihre Eigenschaften werden erprobt, verglichen, eingeordnet.
ad b) Der individuelle Umgang mit Objekten hängt von den jeweiligen kulturellen Gegebenheiten, Normen und Werten ab. Er ist einbezogen in Alltagshandlungen, die in ihrer Wiederholung Sicherheit und Strukturierung von Zeit und Raum gewähren. Der Gebrauchswert von Gegenständen kann wiedererkannt und richtig eingeschätzt werden.
Die Klärung von Besitzverhältnissen (zB das gehört mir, das dir) ist die notwendige Voraussetzung für Tauschwertabstraktionen, die eine Basis unserer kulturell entwickelten, mathematischen Problemlösestrategien darstellt.
Für den Mathematikunterricht ist von großer Bedeutung:
– Eine Auswahl von verfügbaren und ihrem Gebrauchswert adäquat verwendbaren Gebrauchsgegenständen.
– Die Abstimmung der Angebote und Schwerpunkte auf den jeweiligen Entwicklungsstand der Schüler.
– Die Möglichkeit der Teilnahme an der Planung, Gestaltung und Veränderung des Alltagslebens.
– Die Möglichkeit, Eigentum zu besitzen und zu erhalten.
Mathematik – Mengenbildung (Zahlbegriffsbildung und Mengenoperationen (Zahloperationen)
Das Umgehen mit Objekten führt zur Bildung von Mengen. Das Zusammenfassen von Objekten zu einer Menge und das Vergleichen von Mengen führt zu den grundlegenden geistigen Ordnungsprinzipien und ermöglicht dadurch erst die Zahlbegriffsbildung. Das Operieren mit Mengen führt hin zu den Rechenoperationen und damit zur Fähigkeit, die Umwelt rechnerisch durchdringen zu können.
Lehrstoff:
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RIS
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